05/31/2010:
Bei der Restaurierung der Völkerschlachtdenkmal-Kuppel waren komplexe Herausforderungen zu lösen
Im April hat die Nüthen Restaurierungen GmbH + Co. KG mit Hauptsitz in Erfurt die Restaurierung der Reiterkuppel im Leipziger Völkerschlachtdenkmal abgeschlossen. An dem Projekt hatte das Unternehmen seit Juli 2007 gearbeitet. Welche Herausforderungen dabei zu meistern waren und was das Unternehmen auf der denkmal 2010 präsentieren wird, erklärt Kunsthistoriker Norbert Schmidt von der Firma Nüthen.
Welche besonderen Schwierigkeiten waren bei der Restaurierung der Reiterkuppel im Völkerschlachtdenkmal zu bewältigen?
Schmidt: "Schon die Größe der Kuppel an sich war eine Herausforderung. Außerdem war das Material ein besonderes – die Sanierung von Beton wird ja gerade erst mehr und mehr zum Thema. Der Beton der Reiterkuppel war nicht nur entfestigt, durch Schäden in der Außenhülle war es auch zu massiven Versalzungen mit dicken Krusten und Ausblühungen gekommen, so dass drei Entsalzungszyklen notwendig wurden. Außerdem musste der Korrosionsschutz des Eisengeflechtes wiederhergestellt werden. Bei den insgesamt 324 fast lebensgroßen Reiterreliefs in elf Reihen, die die heimkehrenden Krieger symbolisieren, fehlten Teile oder Details waren so stark verwittert, dass wir Kopien anfertigen und sie ersetzen mussten. Auch die inhomogene Oberfläche stellte uns vor eine Herausforderung: Die Saugfähigkeit des Betons war so unterschiedlich, dass der Anstrich zunächst fleckig wirkte. Durch eine besondere Tupftechnik konnten wir das lösen und zudem den Eindruck einer leichten Patina bewirken."
Woran arbeitet die Nüthen Restaurierungen GmbH aktuell, nachdem die Reiterkuppel fertig ist?
Schmidt: "Wir arbeiten momentan auf etwa 60 Baustellen in Deutschland und Österreich. So formen wir in Dortmund am Berlethaus, einem ehemaligen, das Stadtbild prägenden Kaufhaus die Fassadenarchitektur ab und fertigen sie im Abgussverfahren neu an. Am Hamburger Islamischen Zentrum restaurieren wir die Baukeramik und am Dikaterialgebäude in Koblenz fertigen wir die im Krieg zerstörten Giebelskulpturen neu an. Am Schloss Neuschwanstein restaurieren wir die Südfassaden und kümmern uns um die statische Sicherung des Sockelmauerwerks und am Wiener Bundesministerium für Finanzen restaurieren wir aktuell die barocke Prunkstiege sowie die Stuckdecken einiger Räume."
Das klingt nach komplexen Herausforderungen. Mit welcher Manpower bewältigen Sie die?
Schmidt: "Wir haben ca. 150 Mitarbeiter – erfahrene Restauratoren, Kunsthistoriker, Diplomingenieure sowie Facharbeiter aus verschiedenen Bereichen der Bau- und Kunstdenkmalpflege – ,mit denen wir das gesamte Spektrum von der Statik bis zur Figur abdecken können. Für Architekten ist das von Vorteil, sie haben nur einen Ansprechpartner für alle Restaurierungsgewerke. Um ein Beispiel zu nennen: In einer Kirche sind oft viele verschiedene Aufgaben zu lösen. So müssen die Statik von Gewölben gesichert, Natursteinelemente an Säulen und Kapitellen restauriert, Putze und Anstriche erneuert und der Altar eingehaust sowie abschließend Räume von Staub befreit und konserviert werden. Wird das alles auf verschiedene Firmen verteilt, gibt es einen hohen Abstimmungsbedarf und Platzprobleme. Die Firma Nüthen als ausgewiesener Fachbetrieb für Denkmalpflege kann dagegen alles aus einer Hand anbieten, das wird geschätzt."
Auf der denkmal 2010 werden Sie sich nicht nur mit diesem breiten Portfolio präsentieren ...
Schmidt: "Blickfang auf unserem Messestand wird unser neues patentiertes Einhausungssystem CICCUM sein. Jedes Jahr vor Beginn der kalten Jahreszeit müssen wertvolle Skulpturen in Schlossgärten und Parks wintersicher verpackt werden. Der Aufwand ist jedes Mal enorm, und das Ergebnis entspricht nicht gerade ästhetischen Anforderungen. Deshalb haben wir eine Alternative zu herkömmlichen Einhausungen entwickelt."
Worin besteht denn das Problem bei solchen herkömmlichen Einhausungen?
Schmidt: "Es ist nicht so einfach, riesige Holzkisten um die Skulpturen herum zu errichten und auch noch ein schweres Dach aufzusetzen. Gerade in Parks mit dichtem Baumbestand treten dabei Probleme auf. Auch der Transport ist nicht ganz einfach. Dazu kommt die Optik, die dem Park an der jeweiligen Stelle nicht gerade zur Zierde gereicht."
Und wie sieht Ihre Alternative aus?
Schmidt: "Wir haben eine leichte Kunststoffeinhausung aus Schaumstoff-Schalen entwickelt, die mühelos zusammengesteckt, mit unkomplizierten Verbindungselementen gesichert und ebenso leicht wieder demontiert werden kann. Das Besondere ist aber nicht nur das einfache Handling, sondern vor allem, dass die Schalen die Form der jeweiligen Skulptur nachbilden und ihre Silhouette so auch in der kalten Jahreszeit sichtbar wird. Damit wird die Einhausung den Kunstwerken viel besser gerecht als die herkömmlichen Bretterverschläge. Witzige Details wie eine Reißverschluss-Optik sind der Punkt auf dem i. Zudem sind die Schalen innen weich, sodass beim Kontakt mit der Skulptur keine Schäden entstehen. Außen sind die Schalen natürlich hart und erfüllen alle Anforderungen wie Vandalismus- und Brandsicherheit. Zudem gewährleisten sie einen besseren Frostschutz, insgesamt mehr Sicherheit sowie Erleichterungen für die Mitarbeiter. Wir haben mal gezählt: Allein im Park von Schloss Sanssouci gibt es 200 Marmorskulpturen, die jeden Herbst eingehaust werden müssen. Da steckt also viel Einsparpotenzial drin."
Auf der vergangenen denkmal 2008 haben Sie bereits Ansätze dieser Lösung präsentiert. Was ist diesmal neu?
Schmidt: "Dieses Mal stellen wir ein 1:1-Modell aus, daran können wir den denkmal-Besuchern alles ganz anschaulich erklären. Außerdem haben wir jetzt bereits Erfahrungen mit einem ersten größeren Auftrag sammeln können, die wir ebenfalls auf der Messe vermitteln können. Im vergangenen Winterhalbjahr haben wir erstmals das Shakespeare-Denkmal im Weimarer Ilmpark geschützt."



weiterführende Links zu diesem Thema:
> www.nuethen.de
(Quelle: Leipziger Messe GmbH)