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Textile Denkmäler in Schlössern und Museen



08/03/2010: Auch Manufakturen und Raumausstatter arbeiten im Auftrag des Denkmalschutzes

Der Begriff des Denkmals wird meist mit einem Gebäude oder einem Bau- oder Kunstwerk aus Stein oder Holz assoziiert. Doch auf der denkmal, der Europäischen Messe für Denkmalpflege, Restaurierung und Altbausanierung, die vom 18. bis 20. November 2010 in Leipzig stattfindet, geht es auch um den Erhalt und die Restaurierung textiler Kulturgüter. Gerade sie sind besonders empfindlich und vergänglich, und selbst das Know-how ihrer einstigen Herstellung ist oft schon in Vergessenheit geraten.


Alte Herstellungstechniken und Erzeugnisse wiederzubeleben ist auch eins der Anliegen der Staatlichen Textil- und Gobelinmanufaktur Halle GmbH Burg Giebichenstein. Das Hauptproblem dabei ist der Kompetenzverlust in den vergangenen 150 Jahren. Geschäftsführer Dirk Willmann: "Die historischen Techniken sind mit Beginn der Massenproduktion im Zeitalter der Industrialisierung weitgehend vergessen worden und müssen jetzt wieder mühsam neu 'erfunden' werden. Manches, was von Generation zu Generation weitergegeben wurde, ist mittlerweile im wahrsten Sinne des Wortes ausgestorben."
In der Manufaktur werde versucht, durch das Studium der oft umfangreichen Quellen dem jeweiligen Originaltextil so nahe wie möglich zu kommen, aber ganz erreichbar sei es oftmals nicht. "Das liegt zum Beispiel daran, dass heute nicht mehr mit schwermetallhaltigen oder stark giftigen Substanzen gefärbt werden darf. Auch die Schafwolle, Seide, Baumwolle oder andere Rohstoffe sind heute nicht mehr die gleichen wie früher und selbst die veränderte Wasserqualität macht sich bemerkbar", zählt Willmann auf. Wobei er einräumt, dass diese feinen Unterschiede nur der Fachmann erkennt – rein vom Erscheinungsbild her seien sie nicht sichtbar. "Schon aus Kostengründen sind auch Kompromisse notwendig. Das muss aber nicht immer von Nachteil sein, wie man zum Beispiel an den heutigen Farben sieht. Sie zeichnen sich durch Lichtechtheit und Farbbrillanz aus und sind zudem einfacher anzuwenden als frühere Naturfarben", ergänzt die Färberin der Textilmanufaktur Ingrid Treff, die sich ihr Wissen in über 30 Jahren Berufserfahrung angeeignet hat.

Know-how für Biedermeier- und Rokoko-Wollstoffe wiederbelebt

Zu den Leistungen der Manufaktur gehören die Konservierung und Restaurierung von historischen Textilien sowie die Nachbildung von Teppichen, Tapisserien und Gobelins, Möbel- und Kleiderstoffen, Mischgeweben und Stickereien. Nachgefragt werden sie von Museen und Stiftungen, Adelshäusern, Designern und Sammlern. Einen besonderen Schwerpunkt bilden dabei Tapisserien, gewirkte Bildteppiche, die meist für Wände verwendet werden. Zurzeit ist die Manufaktur unter anderem an einem langfristigen Projekt im Residenzschloss Dresden beteiligt. Für das im Krieg verloren gegangene Paradeschlafzimmer, das nun wiederentstehen soll, werden aktuell die nachgewebten textilen Wandbehänge mit Samt belegt und anschließend bestickt. Für einen Hamburger Kunden fertigt die Manufaktur dagegen die Replik eines Bauhaus-Teppichs der Künstlerin Hedwig Heckemann an. Das Original hatte der Auftraggeber einem Museum gestiftet, wollte selbst aber dennoch nicht auf das Stück verzichten, das sich seit 80 Jahren im Familienbesitz befand. Und für den Wittelsbacher Ausgleichsfonds, der den Besitz des ehemaligen Königshauses von Bayern verwaltet, hat die Hallenser Manufaktur im ersten Halbjahr 2010 eine Folge von sehr großen und feinen Wandteppichen restauriert und konserviert. "Die Stücke waren wirklich einzigartig, angefangen vom sehr guten Erhaltungszustand bis zur Brillanz der Farben", schwärmt Dirk Willmann.

Geeigneten Berufsnachwuchs zu finden, sei gar nicht so einfach. Willmann: "Im Studium kann man sich zwar die Theorie aneignen, doch wer den Ansprüchen des Berufs wirklich gewachsen ist, zeigt sich erst in der praktischen Arbeit. Dabei muss tief in die Geschichte eingetaucht und in aller Ruhe ein Gefühl zum Stück und zur Arbeit entwickelt werden. Das gelingt nicht jedem." Auf der denkmal will die Manufaktur nicht nur auf diese hohen Anforderungen bei der textilen Restaurierung aufmerksam machen, sondern vor allem ihre hochwertigen Biedermeier- und Rokoko-Wollstoff-Replikate präsentieren. "Auch hier war das Know-how zu ihrer Herstellung verloren gegangen. Unsere Webmeisterin hat in Zusammenarbeit mit Professor Wieland Poser die alten Techniken aufwändig recherchiert und wiederbelebt und nun wollen wir diese Stoffe nachfertigen und am Markt platzieren", erklärt Willmann, der jahrelang in der belgischen Textilindustrie gearbeitet hat. Auf der denkmal will er das Interesse von Museen oder Privatkunden wecken, die Möbel nach historischen Vorgaben neu beziehen, alte Textilausstattungen rekonstruieren oder Wandbespannungen wiederherstellen lassen wollen.

Recherchen mit kriminaltechnischem Gespür

Möglicherweise werden diese Stoffe dann auch einmal von der Fichtner Raum & Ausstattung GmbH verarbeitet. Der Leipziger Familienbetrieb hat sich einen Namen als Denkmalausstatter gemacht und bringt rekonstruierte textile Wandbespannungen, Fensterdraperien und Polsterungen nicht mit dem modernen Tacker an, sondern auf historisch getreue, zum jeweiligen Projekt passende Weise. Wie genau, wird als Betriebsgeheimnis gehütet. Aktuell werden am Deutschen Theater Berlin 2.000 Quadratmeter Wandfläche im Saal und in den Umgängen mit nachgewebten Seidenstoffen ausgespannt. "Eine besondere Herausforderung ist es immer, so originalgetreu wie möglich zu arbeiten, wozu auch das Nähen von Hand gehören kann, und dennoch moderne Anforderungen zu berücksichtigen", sagt Geschäftsführer Wolfram Fichtner. So musste der Seidenstoff für das Theater durch ein spezielles Bad schwer entflammbar gemacht werden. "Vor allem aber war es die Akustik, die uns zunächst Kopfzerbrechen bereitet hat. In einem Sprechtheater darf der Schall nicht durch die Wandbespannung geschluckt werden", schildert Fichtner. Die Lösung: Unter der Seide wurde ein Akustikstoff angebracht, der den Schall wie ein Spiegel reflektiert.

Ein anderer Auftrag führte Fichtner in eine Touristenattraktion: in das als Kopie von Schloss Versailles erbaute Neue Schloss Herrenchiemsee des bayerischen "Märchenkönigs" Ludwig II. In dem nie ganz fertig gestellten Schloss hat jetzt ein Adliger die Beletage bezogen und Fichtner mit Fensterdraperien nach historischem Vorbild beauftragt – inklusive doppelt gearbeiteten Stoffen, Vorhangstangen und Schnurzügen, die vom Butler bedient werden. Gerade mit Blick auf die historischen Vorlagen ergeben sich oft Herausforderungen. "Nicht immer haben Bauherren oder Architekten entsprechende Unterlagen parat. Vieles muss aufwändig recherchiert werden", so Fichtner. Der Weg führt ihn dann in die Landesdenkmalämter oder zu privaten Denkmalpflegern, aber er analysiert mit beinahe kriminaltechnischer Herangehensweise auch Faserreste, die sich vielleicht noch finden lassen oder sucht in alten Quellen nach analogen Projekten. Nicht selten landet er dann in einer der drei noch vorhandenen alten Seidenwebereien in Lyon, wo noch Muster zu finden sind, die vor 300 Jahren gewebt wurden. Auch alte Lochkarten, mit denen die Jacquard-Webstühle gesteuert wurden, können unter Umständen weiterhelfen.

"Das Alte verstehen, um neue Wege zu gehen"

Für Wolfram Fichtner, der die Firma schon in der sechsten Generation führt, geht es dabei um eine Herzensangelegenheit. Bereits sein Großvater hatte Aufträge im Denkmalschutz übernommen, und nach der Wende begann auch er, sein Know-how bei der Restaurierung von Schlössern und Herrenhäusern einzusetzen. Sein erstes Projekt war das Schloss und Skatmuseum Altenburg, wo die Firma Fichtner bis heute "Haus- und Hoftapissier" ist. Von da aus sei er direkt in den Westen Deutschlands katapultiert worden, wo er mit seiner besonderen Fingerfertigkeit in der Bischöflichen Residenz in Passau überzeugen konnte. Die Auseinandersetzung mit Geschichte und Kunsthistorie, die handwerkliche Umsetzung sowie die Verknüpfung mit Innovationen machen für Wolfram Fichtner den speziellen Reiz aus. "Man muss das Alte verstehen, um neue Wege zu gehen", ist er überzeugt. So hat er denn auch ein exklusives Bad in Luxemburg in Form einer fliegenden Untertasse ganz traditionell gestaltet: Wände und Decken wurden mit Leder in Heftoptik gepolstert – der Klassiker und die Königsdisziplin im Raumausstatter-Handwerk.

Mit dem Erhalt, der Restaurierung und Nachbildung textiler Kulturgüter befassen sich auf der diesjährigen denkmal noch weitere Aussteller, darunter die Cammann Gobelin Manufaktur GbR Lichtenau, die eschke Seidenmanufaktur Crimmitschau, die STM Sächsische Teppichmanufaktur GmbH Frankenberg, Posamenten Manufaktur GmbH Forst sowie die Firmen Golle Raumausstattung Jößnitz und Raumausstattung Schwarzmeier Arnsdorf.

weiterführende Links zu diesem Thema:
> www.textilmanufaktur.de
> www.die-denkmalausstatter.de


(Quelle: Leipziger Messe)



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> www.die-denkmalausstatter.de

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