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Rohstoff Kalk in der Denkmalpflege



09/03/2010: Millionen Jahre alt ist der Rohstoff Kalk. Das Löschen - oder auch Einsumpfen - ist bereits lange bekannt. Schon der römische Architekt Vitruv und der Gelehrte Plinius der Ältere berichteten über das langwierige Verfahren. Als Mörtel, Putz oder Anstrich begegnet uns der ebenso unscheinbare wie unverzichtbare Rohstoff nahezu täglich. Seit vielen Jahren findet Kalkputz auch in der Baudenkmalpflege und Restaurierung Anwendung. Dennoch wird über seine Verwendung kontrovers diskutiert.

Rohstoff mit Vergangenheit und Zukunft

Vor Jahrmillionen lagerten sich Schalen und Skelette der Meeresbewohner ab. Das Gewicht jüngerer Sedimente verfestigte diese Ablagerungen - es entstand Kalkstein. Seit jeher wurde in den unterschiedlichsten Kulturen mit Kalkstein gebaut. Die Cheopspyramide besteht aus Kalkstein-Quadern, die Chinesische Mauer wurde mit Kalkmörtel verfugt. Noch heute zeugen Überreste von Kalköfen von der weit verbreiteten Tradition der Kalkbrennerei. Wände wurden mit Kalkmörtel verputzt, mit Kalkfarbe getüncht oder mit Fresken auf Kalkgrund verziert. Vor allem Kalkputze waren nie ganz aus dem Bauwesen wegzudenken; Materialzusammensetzung und Technik werden stetig erforscht und der Einsatz immer wieder aufs Neue diskutiert.

Um Kalkputz herstellen zu können, muss Kalkstein nach seinem Abbau zuerst einmal gebrannt werden. Dabei wird aus dem grauen, schweren Kalkstein (Calciumcarbonat, CaCO3 - auch kohlensaurer Kalk genannt) der schneeweiße, leichte Kalk (Calciumoxid CaO - oder auch Branntkalk). Gibt man zu diesem Branntkalk Wasser und erhitzt das Gemisch, so wird daraus Löschkalk (Ca(OH)2, Calciumhydroxid).

Man unterscheidet drei unterschiedliche Löschtechniken: Bekannt sind das Löschen ohne Zuschlagstoffe mit nur geringer Wassermenge (Kalkgries-, Kalkpulverherstellung) oder aber das sogenannte Trockenlöschverfahren mit Zuschlagstoffen. Am weitesten verbreitet ist wohl das Löschen ohne Zuschlagstoffe, aber mit deutlichem Wasserüberschuss (Kalkbrei, Sumpfkalk), bei dem durch das Ablagern in Gruben Verunreinigungen nach unten sinken und der Kalk so gereinigt wird. Die Wichtigkeit des Löschens, oder auch Einsumpfens, ist bereits lange bekannt. Schon der römische Architekt Vitruv und der Gelehrte Plinius der Ältere berichteten über das langwierige Verfahren.

Kalkputz besteht hauptsächlich aus dem Bindemittel Kalk, dem Zuschlagstoff Sand und Ansatzwasser, teils kommen weitere Bestandteilen wie Kalksteinmehl oder Trass hinzu. Während der Maurer früher seinen Mörtel aus den genannten Bestandteilen anrührte, verwendet er heute häufig Werktrockenmörtel, der bereits alles enthält und nur noch des Hinzufügens von Wasser bedarf. Um Kalkmörtel zu verarbeiten, sind drei Arbeitsgänge notwendig: Zunächst das Vorspritzen des Mauerwerks, bei dem die Fugen ganz mit Mörtel verfüllt werden müssen; dann, nach dem Antrocknen, das Aufbringen des Kalkmörtels zu einer ebenen, geschlossenen Putzfläche; und abschließend das Abschweißen und Zusammenreiben des Verputzes, der nochmals mit dünnerem Kalkmörtel überzogen wird, um beispielsweise Schwundrisse zu schließen.

Wie nahezu alle Werkstoffe hat auch Kalkmörtel Vor- und Nachteile. Sein wohl größtes Manko ist die Langsamkeit in der Verarbeitung. Kalkmörtel braucht Zeit zum Erhärten, damit er ausreichend carbonatisieren kann und sich später keine Risse zeigen. Zu rasch getrocknete Kalkanstriche carbonatisieren nicht aus, werden nicht genügend wetterfest. Um dies zu vermeiden, führt man Kalkanstriche am besten bei feuchter Witterung aus oder nässt beständig nach.

Doch Kalkputz verfügt auch über deutliche Vorteile gegenüber anderen Verputzformen. Da er durchlässig ist für Wasserdampf, wirkt er feuchtigkeits- und wärmeregulierend. Er ist geruchsabsorbierend und beugt durch seine desinfizierende Wirkung unter anderem Schimmelbildung vor. Kalkputze sind bei professioneller Ausführung widerstandsfähiger, wohingegen zu harte Verputze meist Schäden im Verputzbereich verursachen, da Verputzschichten von innen nach außen weicher werden sollen.

Allerdings ist der zu verputzende Untergrund genau zu analysieren und die Arbeit in jedem Fall von einem Profi durchzuführen. Einige Fachleute fordern sogar ein Merkblatt, um Standards zu klären, denn falsche oder fehlerhafte Verarbeitung macht Kalkanstriche problematisch. Eine gute Beratung durch Fachbehörden und die Bereitschaft zur interdisziplinären Zusammenarbeit mit versierten Fachbetrieben ist dabei unabdingbar.


Alte Kalkbrennerei in Rüdersdorf bei Berlin. Foto/©: christiane, pixelio

(Quelle: Redaktion RESTAURO, Callwey Verlag)


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