09/03/2010:
130 Jahre Erfahrung im Umgang mit Glas stecken im Traditionsunternehmen Rothkegel aus Würzburg. Betriebswirt und Glasermeister Matthias Rothkegel leitet bereits in der fünften Generation die beiden Familienbetriebe Rothkegel Glas GmbH und Rothkegel Licht GmbH. Gemeinsam mit Diplom-Restauratorin Anne Kaiser - Chefin der Restaurierungswerkstatt der traditionsreichen Glaswerkstätte und seit 2009 Mitgesellschafterin bei Rothkegel - stellt er sich den Fragen vom denkmalbrief im Interview.
denkmalbrief: Was ist für Sie das Besondere am Thema Glas?
M. Rothkegel: Glas verbindet Licht und Material. Glas ist ein wertvolles Kulturgut mit Jahrtausender alter Geschichte und ein hochtechnisches Produkt.
A. Kaiser: Es ist einfach ein faszinierender Werkstoff, der zahlreiche Facetten zeigen und sich immer wieder neu erfinden kann.
denkmalbrief:Herr Rothkegel, Sie selbst sind Glasermeister. Was fasziniert Sie an Ihrem Beruf?
M. Rothkegel: Das breite Aufgabenspektrum, die Spannung zwischen individuellen Lösungen und Massenmarkt, unsere Tradition im Haus verbunden mit sehr guten Mitarbeitern.
denkmalbrief:Apropos Mitarbeiter. Seit 2007 arbeitet die Glasrestauratorin Anne Kaiser bei Ihnen. Wie kamen Sie zusammen?
A. Kaiser: Alles begann auf der denkmal 2006 in Leipzig. Da steckte ich mitten in der Diplomarbeit und wollte mir einen Überblick über die Chancen und Möglichkeiten im Denkmalpflegebereich verschaffen. Ich lief über die Messe und stand plötzlich vor der Präsentation von Rothkegel. So kam der erste Kontakt zustande. Ich denke, die Chemie hat einfach gestimmt, und mein restauratorischer Ehrgeiz, immer für das Objekt zu arbeiten, hat einfach gut zum Konzept und zur Philosophie der Firma gepasst. Dass ich mittlerweile sogar Mitgesellschafterin in diesem traditionsreichen Unternehmen bin, ist für mich eine riesige Herausforderung, der ich mich sehr gern jeden Tag aufs Neue stelle.
M. Rothkegel: Für mich war klar, dass ein eminent wichtiger Bestandteil einer Werkstatt ein/e Diplom-Restaurator/in sein muss, wenn die Arbeiten in diesem Bereich wirklich ernst gemeint sind. Deshalb haben wir Frau Kaiser im Mai 2007 eingestellt, um die restauratorische Sichtweise wirklich nachhaltig in der Firma zu verankern und nicht als Feigenblatt zu verwenden. Im September kommt übrigens eine weitere Diplom-Restauratorin zu unserem Team hinzu.
denkmalbrief:Frau Kaiser, was waren bisher die für Sie interessantesten Restaurierungsprojekte während Ihrer Zeit bei Rothkegel?
A. Kaiser: Die Arbeiten in Landsberg am Lech. Die Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Landsberg besitzt einen der schönsten und vollständigsten mittelalterlichen Chorfensterzyklen in Deutschland. Als Studentin war ich auf einer Besichtigungstour dort und derart begeistert, dass ich mir wirklich gewünscht hatte, an diesen Fenstern irgendwann mal arbeiten zu dürfen. Letztes Jahr war es dann soweit. Es war beeindruckend, diese mitunter 600 Jahre alten Scheiben ganz aus der Nähe zu betrachten. Da die Konservierung vor Ort in einer Interimswerkstatt stattfand, war man während der Gesamtsanierungsmaßnahme der Stadtpfarrkirche die ganze Zeit live dabei.
denkmalbrief:Woran werden Sie die nächste Zeit arbeiten?
M. Rothkegel: Zur Zeit haben wir die Glasmalereien des Schlosses Stolzenfels bei Koblenz am Rhein in unserer Werkstätte.
A. Kaiser: Diese Glasfenster aus dem Jahr 1842 sind ein besonderes Juwel der Kabinettscheibenmalerei von Machhausen. Die Malereien sind überaus zierlich und machen einfach bei jedem Anblick Freude, obwohl teilweise massive Schäden der Malschicht vorliegen.
Unser nächstes großes Projekt wird die Liebfrauenkirche in Ravensburg sein. Es handelt sich um einen fantastischen mittelalterlichen Chorfensterzyklus, bei dem in der Vergangenheit problematische Schäden aufgrund der nicht hinterlüfteten Schutzverglasungen aufgetreten sind.
denkmalbrief:Sie feiern dieses Jahr Ihr 130jähriges Jubiläum. Gibt es besondere Jubiläums-Aktionen?
A. Kaiser: Wir verschicken seit Anfang des Jahres einen eigenen Newsletter, der über unsere Projekte informiert. Darüber hinaus gibt ein Tag der offenen Tür am 17. September die Möglichkeit, unsere Werkstätten mit den Brenn-Öfen, der Sandstrahlanlage, der Restaurierungswerkstatt usw. zu besichtigen. Für Samstag, den 18. September, haben wir eine Fachtagung mit dem Titel "Glas und Licht" organisiert, die das Tätigkeitsspektrum unseres Betriebs widerspiegelt. Zu hören sein werden zehn Fachvorträge aus dem Bereich Glasrestaurierung, Bauphysik, Beleuchtung und Lichtarchitektur im Fürstensaal der Residenz zu Würzburg.
denkmalbrief: Wie kam es zur Idee der Fachtagung?
M. Rothkegel: Seit ich 1996 die Chance bekommen habe, am DBU-Kurs "Interdiziplinäre Fortbildung von mittelständischen Glasrestauratorenbetrieben, praxisgerechte Konservierungsmaßnahmen für durch Umwelteinflüsse geschädigte historische Glasfenster (Modellvorhaben)" teilzunehmen, war mir an einer offenen und angenehmen Diskussion gelegen. Die Fachtagung am 18. September soll genau diese interdisziplinäre Diskussion anregen und etwas Licht zum Beispiel in die schwierigen Bereiche des UV-Schutzes und der Strahlungsphysik bringen.
denkmalbrief:Wie eng ist die Zusammenarbeit mit den an der Tagung beteiligten Referenten und anderen Institutionen allgemein?
M. Rothkegel: Wir sind seit 1996 recht intensiv in Strahlungs- bzw. UV-Schutz, Bauphysik und Leuchtenentwicklung tätig, folglich kennen wir die meisten der Referenten seit vielen Jahren und freuen uns über die freundschaftlichen und ehrlichen Verbindungen. Eine gute Freundschaft kann, darf und muss auch ein offenes Wort vertragen, und so sind wir immer für Anregungen dankbar.
A. Kaiser: Es ist schwer, einen Referenten hervorzuheben; ich freue ich mich wirklich sehr, dass wir mit allen ein wunderbares Miteinander pflegen. Egal, ob es sich um freie Ingenieure handelt oder um das Fraunhofer Institut in Bronnbach oder Würzburg, um die FH Erfurt, die Uni Bamberg, die Uni Weimar oder um die Kölner Dombauhütte. Mit allen arbeiten in Sachen Glasentwicklung, Glasanalysen und Fragen der Glasrestaurierung eng zusammen.
denkmalbrief:Sie sind Aussteller auf der Messe denkmal. Was gibt es Neues auf Ihrem Stand (Halle 2, I13) zu sehen?
M. Rothkegel: Wir werden mit Sicherheit das Projekt von St. Ulrich und Afra in Augsburg vorstellen, wo wir zeigen, dass wir auch im UV-Schutzbereich weit über unseren Tellerrand hinaus schauen und individuelle Lösungen suchen, wenn diese für das Objekt sinnvoll sind. Eine weitere Rolle wird die verstärkte Betreuung unserer Leuchtenkunden durch unseren Außendienst spielen. So stellen wir Leuchten mit gesteigerter Energieeffizienz und verschiedene Beispiele von Leuchtenrestaurierungen vor.
Das Interview führte Patricia Brozio von der Redaktion RESTAURO.

Abb. 1a der Betriebswirt und Glasermeister Matthias Rothkegel, Geschäftsführer der Rothkegel Glas GmbH und Rothkegel Licht GmbH. Foto/©: Rothkegel www.rothkegel.com
Abb. 1b
Diplom-Restauratorin Anne Kaiser bei der Restaurierung der Glasmalereien des Schlosses Stolzenfels bei Koblenz. Foto/©: Rothkegel www.rothkegel.com
(Quelle: Redaktion RESTAURO, Callwey Verlag)