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    Landeskonservator Dr. Christoph Rauhut: Überzeugungsarbeit leisten und Allianzen schmieden

    25.08.21 | 15:00 Uhr

    In unserer neuen Rubrik „Denkmalschutz in Deutschland“ sprechen wir mit den deutschen Landeskonservatorinnen und Landeskonservatoren über ihre Arbeit, die aktuelle Situation in ihren Bundesländern und die größten Herausforderungen. Für den heutigen Beitrag haben wir uns mit dem Berliner Landeskonservator Dr. Christoph Rauhut unterhalten. Er berichtete uns unter anderem von den besonderen Rahmenbedingungen, die Berlin als Metropole besitzt, und Großprojekten wie den Flughafen Tegel.

    Redaktion: Wie würden Sie die Arbeit eines Landeskonservators und die Bedeutung dieser Arbeit einem Außenstehenden erklären?

    Dr. Christoph Rauhut: Als Landeskonservator ist man Koordinator, Stratege und Vermittler. Im Alltag geht es zumeist darum das Amt zu organisieren und die Kolleginnen und Kollegen in ihrer Arbeit zu unterstützen. Hierzu gibt es zum Beispiel diverse JourFixe, in denen wir uns gegenseitig informieren, fachliche Positionen erörtern oder strategische Entscheidungen treffen. Denn auch wenn es verschiedene Aufgaben und Verantwortungen gibt, können wir nur als Team erfolgreich arbeiten.

    Zugleich muss man auch Impulsgeber sein: In einer sich verändernden Gesellschaft gilt es stets zu überlegen, was dies für die Arbeit der Denkmalschutzbehörden heißt. Wie reagieren wir etwa als Denkmalbehörden auf die Klimakrise? In Berlin zum Beispiel durch die Einrichtung einer neuen Stelle, die sich insbesondere mit den Fachfragen rund um die Klimaproblematik widmen wird. Eine andere Überlegung: Wird es auch nach Corona noch Homeoffice geben? Ja, denn es hat sich gezeigt, dass hierdurch eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie erreicht werden kann. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen sich drauf verlassen können, dass der Landeskonservator fortwährend an der Weiterentwicklung des Amtes arbeitet.

    Letztlich ist ein Landeskonservator vor allem aber auch Vermittler und Kommunikator. Es gilt der Öffentlichkeit wie auch der Politik nicht nur denkmalfachliche Positionen zu erklären, sondern sie für die Denkmalpflege und ihre Anliegen auch zu interessieren und zu begeistern. Deshalb versuche ich zum Beispiel, bei möglichst vielen Veranstaltungen, egal wie klein oder groß, präsent zu sein und ins Gespräch zu kommen. Mir ist wichtig, dass die Denkmalpflege, die ja im Auftrag der Öffentlichkeit handelt, in ihrer Begeisterung und Wertschätzung für historische Bauten und Freianlagen wahrgenommen wird.

    Redaktion: Wie ist die aktuelle Situation der Denkmale in Berlin und was hat sich in den letzten Jahren verändert?

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    Dr. Christoph Rauhut: Berlin ist eine wachsende Großstadt. Der wachsende Bedarf an Flächen aller Art ist auch im Umgang mit dem denkmalgeschützten Bestand eine besondere Herausforderung. Hierbei kann man verschiedene Entwicklungen beobachten: Zentrale Areale mit historisch bedeutsamer Bausubstanz werden nachverdichtet. Hier sind anspruchsvolle und nicht immer einfach zu findende Lösungen für das Bauen im Bestand gefragt. Gleichzeitig konnte in den letzten Jahren vielfach auch der weitere Verfall von denkmalgeschützten Anlagen wie Brauereien, Industrieanlagen etc. in den Außenbezirken der Stadt gestoppt werden. Hier wurden teilweise spannende Projektentwicklungen angeschoben. Zudem unterliegen vor allem auch die Gartendenkmale einem immer höheren Nutzungsdruck. Nicht erst seit der Corona-Pandemie sind diese für die Stadtbevölkerung wichtige Freizeiträume – eine intensivere Nutzung muss dann mit einer intensiveren Pflege und einer Moderation der Ansprüche einhergehen.

    Stolz bin ich darauf, dass wir in dieser fordernden Situation weitere wichtige Denkmalausweisungen vollziehen konnten, insbesondere auch in der Zeitschicht der 1980er Jahre. Hier denke ich zum Beispiel an die Bauten der Internationalen Bauausstellung 1984/87 oder die Erweiterung des Denkmalbereichs Gendarmenmarkt um die Wiederaufbauplanungen der DDR. Angesichts der aktuell großen Dynamik im Baubestand Berlins ist es geboten, dass wir hier frühzeitig handeln und unserer Verantwortung gerecht werden.

    Redaktion: Sie sind seit gut drei Jahren Landeskonservator. Was war in dieser Zeit die größte Herausforderung, die Sie beschäftigt hat, und auf welchen Projekten liegt derzeit Ihr Hauptaugenmerk?

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    Dr. Christoph Rauhut: Es gab in der Tat einige große Projekte, die bereits in meinen ersten drei Jahren zu stemmen waren. Zum Beispiel der Flughafen Tegel. Seine Unterschutzstellung 2019 war ein wichtiger Meilenstein, denn daran war die Erwartung gekoppelt, dass die bereits begonnenen Planungen nochmals zugunsten des Baudenkmals überarbeitet werden. Hierfür Bereitschaft zu erzielen war nur in einem intensiven Dialog zwischen allen Beteiligten möglich. Nicht nur die DenkmalpflegerInnen setzten sich für einen adäquaten Umgang mit dieser Anlage ein, sondern auch viele Menschen in Berlin und darüber hinaus, ja sogar im Ausland. Wie immer galt es, Überzeugungsarbeit zu leisten und Allianzen zu schmieden - und dies mit einer überzeugenden Öffentlichkeitsarbeit zu flankieren.

    Aktuelle Projekte sind zum Beispiel das Modellverfahren Mäusebunker, in dem wir über eine Ideenwerkstatt und eine umfangreiche Web-Dokumentation beweisen wollen, dass es auch für eigensinnige Denkmale eine Zukunft geben kann. Oder auch die Vorbereitungen für den Welterbe-Vorschlag „Karl-Marx-Allee 1. und 2. Bauabschnitt und Interbau 1957. Architektur und Städtebau der Nachkriegsmoderne“: Neben der Herausforderung einen wissenschaftlich prägnanten Antrag zu schreiben, stellen wir uns insbesondere der Aufgabe einer intensiven Bürgerbeteiligung über digitale und wie auch Vorort-Formate.

    Redaktion: Wenn Sie mit Blick auf Ihre Tätigkeit als Landeskonservator einen Wunsch frei hätten, welcher wäre das?

    Dr. Christoph Rauhut: Mehr Zeit für unsere eigenen Themen im Landesdenkmalamt. Häufig folgt ein Termin auf den anderen. Da besteht zum einen die Gefahr, dass wir zu wenig Zeit für Austausch und gemeinsame Reflexion haben. Zum anderen bekommen langfristige Projekte, wie zum Beispiel die Digitalisierung der Vorgänge im Amt, unter Umständen zu wenig Aufmerksamkeit. Mein Brandenburger Kollege hat mir den Tipp gegeben, hierfür im Kalender regelmäßig Zeitfenster freizuhalten. Das versuche ich jetzt umzusetzen.

    Foto 1: Dr. Christoph Rauhut (Landesdenkmalamt Berlin, Anne Herdin)

    Foto 2: Bötzow-Brauerei, Prenzlauer Berg (Landesdenkmalamt Berlin, Anne Herdin)

    Foto 3: Flughafen Tegel (Landesdenkmalamt Berlin, Anne Herdin)

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