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    Das ECHY 2018 als Projekt für europäischen Zusammenhalt

    20.10.16 | 09:04 Uhr | Foto: Felix Quaedvlieg / Europa Nostra

    Der europäische Denkmalschutz-Verbund Europa Nostra vertritt die Interessen von über 400 Nichtregierungsorganisationen und Privatpersonen aus dem Denkmalschutz. Mit seiner über 50-jährigen Erfahrung hat er ein großes Netzwerk aufgebaut, das im länderübergreifenden Engagement für das kulturelle Erbe ein bedeutendes Bindeglied darstellt. Im Rahmen der denkmal 2016 wird Europa Nostra seine Ratssitzung veranstalten, deren öffentlicher Teil sich mit den Vorbereitungen des Europäischen Kulturerbejahrs 2018 befasst. Im Interview erläutert Sneška Quaedvlieg-Mihailović, Generalsekretärin von Europa Nostra, die Arbeit des Verbunds und die Bedeutung der denkmal als Plattform für den Denkmalschutz.

    Redaktion: Welche Rolle spielt Europa Nostra im europäischen Denkmalschutz?

    Quaedvlieg-Mihailović: Unsere „Daseinsberechtigung“ besteht darin, der ständig wachsenden Bürgerbewegung zum Kultur- und Naturerbe innerhalb Europas eine Stimme zu geben und ihr Ausdruck zu verleihen. Unsere Hauptaufgabe ist es, starke Fürsprecher des Kulturerbes – mit seinen vielfältigen positiven Auswirkungen auf unsere Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur und Umwelt – gegenüber Entscheidungsträgern aller Regierungsebenen zu sein: lokal, regional, national und vor allem europäisch. Wir versuchen außerdem, aktiv zur weltweiten Bewegung für das kulturelle Erbe beizutragen, besonders durch unsere engen Beziehungen mit der UNESCO. In den letzten 40 Jahren haben wir außergewöhnliche Stätten und Leistungen rund ums Kulturerbe in allen Teilen Europas ausfindig gemacht, anerkannt und gefördert. Und natürlich engagieren wir uns dafür, die am meisten gefährdeten Stätten Europas zu retten, indem wir Aktionen unserer Mitglieder vor Ort unterstützen.

    Als ein europaweites Netzwerk von zivilgesellschaftlichen Organisationen werden Europa Nostras Aktivitäten sowohl durch Kernaufgaben als auch durch Mitglieder bestimmt. Unsere insgesamt 60 Ratsmitglieder arbeiten tagtäglich für das kulturelle Erbe, ob als Experten oder Freiwillige. Zudem haben wir einen sehr engagierten Vorstand, der von einem kleinen Personalteam in Den Haag und Brüssel unterstützt wird, das unsere Programme durchführt und unsere Aktivitäten koordiniert.

    Redaktion: Was sind Ihre programmatischen Aushängeschilder?

    Quaedvlieg-Mihailović: Wir sind sehr stolz auf unsere jährlichen Auszeichnungen, die wir seit 2002 in Partnerschaft mit der Europäischen Union vergeben. Der Preis der Europäischen Union für kulturelles Erbe / Europa Nostra Awards wird an die besten Leistungen in den Bereichen Konservierung, Forschung, Bildung, Ausbildung und Sensibilisierung verliehen. In den 25 Jahren, in denen ich für Europa Nostra arbeite, hatte ich das Privileg, viele außergewöhnliche “Erfolgsgeschichten“ rund ums Kulturerbe zu entdecken, welche ohne den unermüdlichen Einsatz zahlreicher Fachleute und Freiwilligen und mit Unterstützung der breiten Öffentlichkeit so nie zustande gekommen wären.

    Aber das Kulturerbe steht natürlich auch vielen Bedrohungen gegenüber, ob nun vom Mensch oder der Natur verursacht. Natürlich sind wir deshalb auch in Hinblick auf das Bewahren von gefährdetem kulturellem Erbe aktiv. Seit 2013 führen wir zusammen mit dem Institut der Europäischen Investitionsbank in Luxemburg das Programm „7 Most Endangered“ (deutsch: die 7 am stärksten Gefährdeten) durch. Alle zwei Jahre werden die am meisten gefährdeten Kulturerbestätten in Europa ausgewählt. Zu ihnen gehören zum Beispiel die Pufferzone im historischen Zentrum der Stadt Nikosia in Zypern, der modernistische, noch in Betrieb stehende Flughafen Malmi im finnischen Helsinki, die historischen Glocken im portugiesischen Mafra und die Bergbauregion im rumänischen Rosia Montana. Für jede einzelne der ausgewählten Stätten übernehmen unsere Mitglieder und Fachleute die schwierige Aufgabe, öffentliche und private Unterstützung zu sammeln, um eine nachhaltige Zukunft zu ermöglichen. Dabei bedarf es oftmals einer Mischung aus politischem Willen, einem stichhaltigen „Geschäftsplan“, einer umfassenden Sensibilisierung und Unterstützung durch die Öffentlichkeit sowie der notwendigen finanziellen Ressourcen.

    Redaktion: Welchen Stellenwert hat das europäische Kulturerbejahr ECHY 2018 für den Denkmalschutz und welche Vorbereitungen werden seitens Europa Nostra getroffen?

    Quaedvlieg-Mihailović: Das europäische Kulturerbejahr bietet uns die einzigartige Möglichkeit, den Stellenwert des Kulturerbes für Europa aufzuzeigen, denn: Kulturerbe zählt für Europa, wie unsere Studie „Cultural Heritage Counts for Europe“ eindrücklich gezeigt hat. Gerade in einer Zeit, in der die EU beispiellosen politischen, wirtschaftlichen, sozialen und ethischen Herausforderungen und Veränderungen gegenübersteht, bietet uns das Jahr auch die großartige Chance, eine positive Botschaft für Europa und seine Bürger zu verbreiten.

    Heutzutage vergessen viele Menschen, dass Europa in erster Linie das ist, was wir gemeinsam haben und was uns zusammenbringt. Das kulturelle Erbe stellt das unschätzbare Gewebe dar, das Europa zusammenhält – von Norwegen bis Griechenland und von Polen bis Spanien. Zu verstehen, dass Europa ein gemeinsames Kulturerbe besitzt, hilft uns, die gesamte Schönheit und die tiefergehende Bedeutung des Europäischen Projekts zu begreifen, aber gleichzeitig auch dessen Komplexität und Fragilität. Zusammen mit unserem wichtigen Partner, dem Deutschen Nationalkomitee für Denkmalschutz DNK, und anderen öffentlichen und privaten Organisationen in ganz Europa haben wir deswegen ein starkes und positives Motto für das Kulturerbejahr vorgeschlagen: „Sharing Heritage“! . Dieses Motto wird auf unserem Kongress im Jahr 2018 klar erkennbar sein, der in Berlin in enger Zusammenarbeit mit der Stiftung Preußischer Kulturbesitzstattfinden wird. Wir sind zuversichtlich, dass dieser „Europäische Kulturerbe-Gipfel“ eines der öffentlichen Highlights des gesamten Jahres sein wird.

    Europa Nostra wird den EU-Institutionen und den Mitgliedstaaten anbieten, als Brücke zwischen ihrer eigenen unverzichtbaren Arbeit und den Aktivitäten aller zivilgesellschaftlichen Organisationen in Europa zu dienen. Als ein europäisches Netzwerk hat Europa Nostra den Vorteil, „das große Ganze“ zu sehen und genau das sollte auch unsere Rolle für das Europäische Jahr sein: sicherzustellen, dass sowohl die „Europäische Dimension“ als auch die bürgerschaftliche im Herzen der Aktivitäten zum Kulturerbe in ganz Europa im Jahr 2018 und darüber hinaus stehen. Unser großes Netzwerk ist tatsächlich unsere größte Ressource. Deshalb werden wir eng mit unseren Mitgliedern zusammenarbeiten, um einen bedeutungsvollen Beitrag zum Kulturerbejahr zu leisten. Unsere Mitglieder und die ehemaligen Preisträger haben schon zahlreiche kreative Ideen für Veranstaltungen und Aktivitäten in 2018 vorgeschlagen, von denen viele bereits 2017 beginnen und über 2018 hinausreichen werden. Als Koordinationsstelle für die „European Heritage Alliance 3.3“ werden wir zudem die Vernetzung und Synergien zwischen den Aktivitäten von Europa Nostra und anderen europäischen Netzwerken im Bereich des kulturellen Erbes sicherstellen.

    Aber dieses Jahr ist kein Selbstzweck und es sollte auch nicht am 31. Dezember 2018 enden. Vielmehr sollte es der Start einer erneuerten und lang anhaltenden Phase eines stärkeren und sehr viel kohärenteren Engagements aller öffentlichen und privaten Interessenvertreter sein, um das kulturelle Erbe als eine unverzichtbare Ressource für eine nachhaltige und friedvolle Zukunft zu etablieren – nicht nur für Europa, sondern für alle seine Partner auf der ganzen Welt.

    Redaktion: Welche Bedeutung besitzt die denkmal als europäische Leitmesse darüber hinaus für Europa Nostra?

    Quaedvlieg-Mihailović: Die denkmal ist eine wertvolle Plattform für den dringend erforderlichen Austausch zwischen Fachleuten und Unternehmen im Bereich der Kulturdenkmalpflege. Als solche Plattform ist sie ein starker Verfechter der gegenwärtigen wirtschaftlichen und sozialen Relevanz des Kulturerbes. Uns begeistert zudem ihr Ehrgeiz, eine wirkliche europäische Messe zu sein, die im Herzen Europas, im wunderschönen historischen Leipzig, veranstaltet wird. Letztlich begrüßen wir natürlich auch die Entschlossenheit der denkmal, das Europäische Jahr des Kulturerbes aktiv zu unterstützen – während der kommenden Messe in diesem Jahr und noch mehr zur denkmal 2018. Deshalb haben wir auch dankend die Einladung zur Ausrichtung unserer Vorstands- und Ratssitzungen im Rahmen der denkmal 2016 in Leipzig angenommen, da uns dies helfen wird, unser Netzwerk auszubauen. Es wird unseren Mitgliedern außerdem ermöglichen, an der öffentlichen Debatte zum Europäischen Jahr, welches in Kooperation mit dem DNK organisiert wird, teilzunehmen und sich mit Ausstellern und Besuchern der Messe auszutauschen.

    Wir freuen uns außerdem, dass sich die Mitglieder der „European Heritage Alliance 3.3“ am 9. November, dem Abend der Messeeröffnung, treffen werden. Das heißt, dass sich uns auch Vertreter anderer bedeutender europäischer Netzwerke im Bereich des Kulturerbes in Leipzig anschließen werden. Schlussendlich bin ich außerdem dankbar, dass mir die Ehre zuteil wird, einer der Festredner auf der Eröffnungsfeier der denkmal zu sein. Alles in allem bin ich überzeugt, dass uns die dynamische unternehmerische und auch kreative Atmosphäre auf der denkmal sehr für die kommenden Debatten und die erfolgreiche Vorbereitung auf das Kulturerbejahr 2018 inspirieren werden.

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