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    Jugendbildung Baukultur

    Es geschieht viel zu wenig - Gefahr ist im Verzug!

    12.11.16 | 14:15 – 14:45 Uhr

    Veranstaltungsort
    Halle 2 - INFO-FORUM
    Thema
    Programm im INFO-FORUM
    Inhalt

    Die Denkmalpflege ist heutzutage auf allen Ebenen ihres Handelns dem Druck eines Bedeutungsentzuges ausgesetzt, der maßgeblich von jenen Vertretern aus Politik und Wirtschaft betrieben wird, die möglichst wenige Beschränkungen für privatwirtschaftliche Interessen im Bauwesen wünschen. Weite Teile der Gesellschaft schauen teilnahmslos zu. Dieser Druck hat bei den oberen und unteren Denkmalschutzbehörden einen kontinuierlichen Personalabbau zur Folge, der die Grenzen ihrer Handlungsfähigkeit erreicht. Die Schließungen von bewährten und namhaften Fortbildungseinrichtungen für das Handwerk und die Bauplaner sind weitere, alarmierende Belege für eine Entwicklung, in der ökonomische Gesichtspunkte Vorrang vor den kulturellen Anliegen zur Bewahrung und Pflege unserer historischen Bauwerke und Stadtzentren erhalten.

    Ursache ist der Prozess einer ungebremst voranschreitenden Kommerzialisierung, der inzwischen alle Lebensbereiche unserer Gesellschaft durchdringt. Ein Besorgnis erregend um sich greifender Mangel an Allgemeinbildung, an grundlegendem Geschichtswissen und an Grundkenntnissen zur Baukultur, der nicht nur bei zahlreichen Entscheidungsträgern aus Politik und Wirtschaft zu beklagen ist, sondern auch in der Bevölkerung, fördert ein Denken, das sich vorrangig an den Aussichten auf materielle Vorteile, Rendite und Gewinnmaximierung orientiert.

    Dieses Denken prägt in zunehmendem Maße längst auch den Umgang mit unseren historischen Stadtzentren und Baukulturgütern. Die kultivierende Wirkung von historischen Bauwerken und Denkmälern, die mit ihrem authentischen Zeugniswert und ihren geschichtlichen Mitteilungen den Bürgern kulturelle Identität und bürgerschaftlichen Gemeinsinn zu stiften vermögen, diese Argumente finden in den maßgeblichen Debatten und Entscheidungsprozessen kaum Beachtung. Von vorrangigem Interesse ist hier gewöhnlich der ökonomische Nutzen und materielle Gewinn, den ein Baukulturgut nach seiner Herrichtung als Attraktion für den Tourismus verspricht, sei es als Einzelbauwerk oder als Teil eines Ensembles. Unter solchen Entscheidungsmaßstäben riskieren unsere Altstädte ihren Charakter als Orte eines vielfältigen und interessanten Alltagslebens zu verlieren. Als „historisch aufgehübschte“ Eventbühnen im Rahmen einer sich ausbreitenden „Festivalisierung“ unserer Altstadtzentren dienen sie bei solcher Denkweise den Kommunen weniger für die aktive Pflege einer sinnstiftenden Erinnerungskultur, denn als viel versprechende touristische Einnahmequellen.

    Maßgebliche Verantwortung für den Prozess der allgemeinen Kommerzialisierung trägt nicht zuletzt unser Bildungswesen. Es bevorzugt die gezielte Vermittlung von Wissen jener Fächer, die vor allem der Wirtschaft dienen. Leitbild ist PISA, eine Rangliste die von der Weltwirtschaftsorganisation OECD nach ihren als vorbildlich erachteten Wertsetzungen aufgestellt und veröffentlicht wird. Diese Wertescala, in der alle Länder möglichst weit oben stehen möchten, ignoriert jene Unterrichtsfächer, welche Wissen und Wertmaßstäbe auf dem Gebiet der Geisteswissenschaften vermitteln, wie etwa Geschichte und Philosophie, alte Sprache (Latein und Griechisch), Ethik und Religion. Ihre Verdrängung schreitet voran. Das wiegt schwer, denn es sind allein die Geisteswissenschaften, die jene unersetzlichen Wertmaßstäbe anbieten, die ein Mensch für seine persönliche Sinnfindung im Leben braucht. Mit dem wachsenden Verlust unseres Wissens um unsere abendländische Kulturgeschichte, um unsere Landes-, Regional- und Lokalgeschichte, um unsere eigentliche Herkunft und Identität, verlieren wir die Orientierung und die Maßstäbe für eine humane, kulturbezogene Gestaltung unserer Lebensräume.

    Diese Gefahr muss an der Wurzel angegangen werden. Das heißt, ein substanzieller Auf- und Ausbau der baukulturellen Bildungsarbeit ist erforderlich. Dazu braucht es Weitsicht und einen langen Atem. Wird das Problem ignoriert, wird die Bereitschaft der Bevölkerung, die Aufgaben der Denkmalpflege mit Spenden und persönlichem Engagement zu unterstützen, infolge zunehmenden Unwissens und daraus resultierender Gleichgültigkeit schon in naher Zukunft empfindlich abnehmen. Die von der öffentlichen Hand und einigen Stiftungen bislang angebotenen Programme reichen wegen ihrer thematischen und zeitlichen Begrenztheit bei weitem nicht aus. Sie bieten dem Schüler eine lediglich kurze, episodenhafte Begegnung mit dem Thema „Denkmalpflege“ an. Sie vermitteln kein solides Grundwissen, auf dem ein Heranwachsender später, im Verlauf seines weiteren Lebensweges, eine baukulturelle Allgemeinbildung aufbauen könnte, die ihm und seinem Gemeinwesen nützt. Es besteht dringender Handlungsbedarf!

    Dr.-Ing. Sebastian Storz

    Forum für Baukultur e.V., Dresden

    Veranstalter

    Forum für Baukultur e.V.
    Link: www.forum-fuer-baukultur.de
    Wiener Straße 54
    01219 Dresden

    Referent

    Herr Dr.-Ing. Sebastian Storz

    Ansprechpartner

    Herr Dr. Ing. Sebastian Storz
    Telefon: 0351/ 476 900
    Fax: 0351/ 476 3153
    E-Mail: villa-salzburg.sebastian.storz@t-online.de

    Sprache
    Deutsch
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