22.10.2026 denkmal

denkmal 2026 – Versuche, ukrainisches Kulturerbe zu schützen

Mehr als vier Jahre nach Beginn des russischen Angriffskriegs auf die gesamte Ukraine ist das kulturelle Erbe des Landes weiterhin akut bedroht. Museen fahren fort, ihre Sammlungen zu evakuieren, während historische Bauwerke digital dokumentiert werden, um zumindest die virtuelle Kopie zu wahren. Auf der denkmal 2026 berichten Fachleute aus der Ukraine, Polen und Deutschland über diese Arbeit und verdeutlichen, welche Lehren in der Europäischen Union gezogen werden sollten.

Mehr als 2.000 Kulturstätten in der Ukraine sind beschädigt oder zerstört, meldet das ukrainische Kulturministerium seit Beginn des russischen Großangriffs am 24. Februar 2022. Ein Ende der Zerstörung ist nicht in Sicht. Das Ukraine Art Aid Center unterstützt Kultureinrichtungen, die sich schützen wollen oder evakuieren müssen. „Die Anfragen steigen kontinuierlich, während die finanzielle Unterstützung zurückgeht. Gleichzeitig nehmen die Zerstörungen weiter zu“, berichtet Vira Orlovska, verantwortlich für Management und Fundraising beim Ukraine Art Aid Center. Selbst in Kyjiw könne inzwischen nicht mehr von sicheren Stadtteilen gesprochen werden. Immer mehr Einrichtungen wollten ihre Sammlungen vorsorglich auslagern.

Das Ukraine Art Aid Center hat mehr als 1.200 kulturelle Einrichtungen unterstützt. Zwei Hubs in der Ukraine koordinieren die Verteilung von Archivboxen, Transportkisten, Feuerlöschern, Generatoren, Powerstations und weiterer Ausrüstung. Regionale Partner bringen die Hilfsgüter auch in entferntere Landesteile. „In den vergangenen Jahren ist ein enges Netzwerk entstanden. Die Einrichtungen tauschen Informationen aus und melden, wo Unterstützung besonders dringend gebraucht wird“, erklärt Orlovska.

Das Ukraine Art Aid Center ist für die Goldmedaille der denkmal 2026 nominiert. Die unabhängige Fachjury zeichnet am 6. November fünf von insgesamt 16 Nominierten aus.

Das digitale Gedächtnis gefährdeter Bauwerke

Zu den Partnern des Ukraine Art Aid Center gehört Skeiron. Das Team aus Lwiw dokumentiert gefährdete Bau- und Kulturdenkmale mithilfe von Laserscanning und Fotogrammetrie. Mehr als 280 Objekte wurden bereits digital erfasst.

„Ein digitales Modell ist nicht nur eine Kopie, die irgendwo in einer Cloud liegt“, betont Skeiron-Mitgründer Yurii Prepodobnyi. „Die Daten können für den Wiederaufbau, Bildungsprogramme und kulturelle Projekte genutzt werden. Mit einem 3D-Drucker lassen sich zudem tastbare Modelle herstellen, durch die beispielsweise blinde Menschen ein Denkmal erfahren können.“

Die Arbeit findet unter Kriegsbedingungen statt. Luftalarme, Stromausfälle, steigende Kosten und die Mobilisierung von Teammitgliedern gehören zum Alltag. Skeiron habe dadurch besondere Erfahrungen in der Notfalldigitalisierung gesammelt, die das Team auch international weitergeben wolle.

Was Europa aus der Ukraine lernen kann

Am 6. November diskutiert Yurii Prepodobnyi bei der Veranstaltung „Saving Ukrainian Cultural Heritage in Wartimes“ mit Michał Krasucki vom polnischen Nationalen Institut für Kulturerbe und Dr. Johannes Nathan, Vorsitzender des Ukraine Art Aid Center. Im Mittelpunkt stehen wirksame Hilfsmaßnahmen, die veränderten Bedürfnisse ukrainischer Kultureinrichtungen und die Frage, wie sich andere europäische Länder besser auf den Schutz ihres Kulturerbes in Krisen- und Konfliktfällen vorbereiten können.

Vira Orlovska wird nicht persönlich an der denkmal teilnehmen, da sie für das Ukraine Art Aid Center in der Ukraine stationiert ist. Das Center wird vor Ort durch Johannes Nathan vertreten. Der Verein präsentiert seine Arbeit außerdem am Stand I58 in Halle 2.

Saving Ukrainian Cultural Heritage in Wartimes

Freitag, 6. November 2026, 10:15 bis 11:45 Uhr

denkmal-CAMPUS (Lab), Halle 2, Stand L07

Sprache: Englisch mit deutscher Übersetzung

Die denkmal findet vom 5. bis 7. November 2026 auf der Leipziger Messe statt. Parallel findet die MUTEC – die Internationale Fachmesse für Museums- und Ausstellungstechnik am 5. und 6. November 2026 statt.

Ansprechpartner

Mark Gärtner
Pressesprecher
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