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03.08.2026 denkmal

Ein Denkmal wird saniert – und was macht der Bürgermeister?

Barockschloss, frühindustrielle Spinnmühle und ein Schlosspark, der für den Klimawandel fit gemacht wird: das sächsische Wolkenburg vereint auf engstem Raum unterschiedlichste Zeugnisse der Geschichte. Im Interview spricht Limbach-Oberfrohnas Bürgermeister Robert Volkmann über das Erbe Graf Detlev Carl von Einsiedels, die Restaurierung von Schloss und Bibliothek, den Wert engagierter Bürgerinnen und Bürger und über den Moment, als er der glücklichste Bürgermeister der Welt war.

Herr Volkmann, auf einer Skala von 1 bis 10 – wie dankbar sind Sie Graf Detlev Carl von Einsiedel?

Die Tatsache, dass wir heute dieses Interview führen, lässt eigentlich nur eine 10 zu. Ohne Graf Detlev Carl von Einsiedel gäbe es in Wolkenburg vermutlich weit weniger, worüber es sich heute zu sprechen lohnte. Er hat den Ort nachhaltig geprägt – dafür können wir ihm nur dankbar sein.

Durch das Erbe des Grafen befindet sich eine ganze Reihe von Denkmälern bei Ihnen in der Muldentalregion. Das Schloss Wolkenburg ist da ebenso zu nennen wie die Spinnmühle – Barock neben Industriedenkmal. Erst gemeinsam erzählt dieses Ensemble die Geschichte der Region. Wie gelingt Ihnen das in Wolkenburg, einem Ortsteil der Stadt Limbach-Oberfrohna?

Es ist ein Erbe, auf das wir stolz sein können – gerade mit Blick auf die Industriegeschichte. Von dem Schloss aus startete der Graf seine unternehmerischen Aktivitäten, brachte die Textilindustrie voran, schaffte Arbeit, und brachte Wohlstand in die Region. Die Bürgerinnen und Bürger wissen sehr genau, in welchem Kleinod sie leben. Gleichzeitig ist es eine große Herausforderung, dieses Erbe zu erhalten und über die Ortsgrenzen hinaus bekannt zu machen.

Das Kontorhaus als letztes Überbleibsel der Schafwollspinnerei zu Wolkenburg – ihres Zeichens eine der ältesten Fabriken Mitteleuropas – steht derzeit leer, eine künftige Nutzung ist noch offen. Hier suchen wir nach Lösungen. Selbstverständlich spielt dabei auch eine entscheidende Rolle, wie eine solche Restaurierung finanziert werden kann. Gemeinsam mit Prof. Dr. Ulrich Weferling von der HTWK Leipzig entsteht derzeit ein digitaler Zwilling des Gebäudes, der uns bei den nächsten Schritten helfen soll. Besonders freut mich, dass er junge Menschen mitbringt, die gemeinsam mit uns Ideen für die Zukunft entwickeln. Direkt neben der Spinnmühle befindet sich heute eine moderne Sportanlage. Das ist schon mal ein Anfang. Mit diesem Erbe muss man aktiv umgehen und es sinnvoll nutzen.

Das Schloss hat seinen klassischen Nutzungszweck bereits gefunden. Es wird dauerhaft als Museum fungieren. Die Papierfabrik zu Wolkenburg liegt hingegen im Überschwemmungsgebiet der Mulde, ist denkmalpflegerisch kaum noch zu erhalten und besteht heute im Grunde nur noch als Lost Place fort. Um mit diesen drei Gebäuden zurück zur Frage zu kommen – wir sind unterschiedlich weit vorangekommen und das Schloss trägt heute viel dazu bei, die Geschichte der Region zu erzählen.

Und die Wolkenburger – womit identifizieren sie sich? Mit der Industriegeschichte der Region, mit dem barocken Erbe oder gerade mit der Verbindung aus beidem?

In den Gesprächen, die ich führe, begegnet mir vor allem der Stolz auf Graf Detlev Carl von Einsiedel in seiner Vielseitigkeit – nicht nur als Schlossherr, sondern auch als sächsischer Kabinettsminister und Unternehmer.

Das ehemalige Industriedorf Wolkenburg ist heute allerdings kein Industriedorf mehr. Deshalb stellt sich für uns vor allem die Frage, wie wir uns künftig neu erfinden. Das ist eine Aufgabe, auf die es noch keine abschließende Antwort gibt. Sicher ist aber, dass wir touristisch noch deutlich mehr Potenzial haben – mit der Mulde, der guten Luftqualität und unserem kulturellen Angebot.

Die neugotische Bibliothek auf Schloss Wolkenburg gilt als architektonischer Höhepunkt der Region. Ihre Restaurierung konnte bereits 2005 abgeschlossen werden. Welche Bedeutung hat sie heute für Ihre Kommune – als Tourismusstandort und als Teil des Denkmalensembles?

2005 war ich ganz frisch in der Stadtverwaltung tätig, bis zum Fachbürgermeister lag damals noch ein langer Weg vor mir. Auch hier lautet das entscheidende Stichwort „Ensemble“. Das Schloss wurde nach der Wende durch viel Eigeninitiative der Bürgerinnen und Bürger zunächst wieder nutzbar gemacht. Nach der Eingemeindung Wolkenburg-Kaufungens hat die Stadt Limbach-Oberfrohna die Restaurierung mit Denkmalfördermitteln konsequent fortgeführt.

Mit der Wiederherstellung der Bibliothek und des Festsaals konnten wir das Schloss als Hochzeitslocation etablieren, die heute sehr gut nachgefragt ist. Stück für Stück erreichen wir mehr Öffentlichkeit und gewinnen neue Besucherinnen und Besucher. Die Bibliothek war für uns ein Wendepunkt. Sie steht sinnbildlich für den Weg vom heruntergewirtschafteten Schloss hin zu einem attraktiven Kultur- und Tourismusstandort. Mit ihrer Restaurierung wurde deutlich: Wir können dieses Schloss wieder zu einem lebendigen Ort machen.

Wichtig war natürlich auch, dass die Bibliothek wieder Bücher vorweisen konnte. Deshalb haben wir damals die Bürgerinnen und Bürger aufgerufen, historische Bücher aus ihren Beständen für das Schloss zu stiften. Gleichzeitig wurden in der Bibliothek versteckt alte Flurkarten entdeckt. Insofern hat uns die Bibliothek Zuversicht gegeben. Sie hat mehr Menschen nach Wolkenburg gebracht und gezeigt, dass sich der Einsatz lohnt. Das Schloss steht heute insgesamt für die Wiederbelebung des Ortes – getragen von außergewöhnlich viel ehrenamtlichem Engagement.

Sie bereiten den Schlosspark derzeit auf den Klimawandel vor und werden dafür aus dem Bundesprogramm „Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel“ gefördert. Was geschieht aktuell konkret?

Für die Sanierung historischer Parks erhält man nur sehr selten Fördermittel. Nach einem anspruchsvollen Verfahren haben wir schließlich den Zuschlag bekommen. Der Schlosspark liegt auf felsigem Untergrund, sodass Regenwasser nur begrenzt versickern kann. Deshalb wurden mehrere Zisternen angelegt. Gerade das Thema Wasserspeicherung war ein entscheidendes Argument für die Förderung. Viele der Maßnahmen bleiben für Besucherinnen und Besucher allerdings unsichtbar, weil sie unter der Erde liegen. Die Wasserhaltung wurde komplett neu organisiert, Leitungen erneuert und zusätzliche Zisternen angelegt. So können wir den Park auch in längeren Trockenperioden bewässern.

Welche Erkenntnisse haben Sie aus diesem Projekt für den Umgang einer Kommune mit dem Klimawandel gewonnen?

Die größte Überraschung war für mich, dass sich viele Fragen, die uns heute im Zusammenhang mit dem Klimawandel beschäftigen, den Menschen damals ebenfalls gestellt haben – wenn auch unter anderen Vorzeichen. Wie sichere ich die Wasserversorgung in einer Dürre? Wie schütze ich mich in Krisenzeiten? Das hat in mir großen Respekt vor den Lösungen vergangener Generationen geweckt. Für mich bedeutet das: Die Zeiten waren immer herausfordernd, aber es wurden stets Lösungen gefunden.

Ansonsten ist vor allem das Bewusstsein gewachsen, dass wir handeln müssen. Sonst fällt hier alles trocken. Ob mehr Grünflächen in unseren Städten und Dörfern, zusätzliche Verschattung oder Maßnahmen zur Wasserspeicherung – all das hilft nicht nur gegen Hitze und Trockenheit, sondern verbessert auch den Hochwasserschutz und kommt letztlich dem Stadtbild zugute.

Für einen Moment war er nicht nur glücklich, sondern der Glücklichste unter allen Bürgermeistern weltweit – Robert Volkmann

Viele sehen am Ende nur das restaurierte Gebäude. Wie viel Arbeit bedeuten solche Projekte für einen Bürgermeister eigentlich im Vorhinein – gerade wenn es darum geht, Fördermittel für eine Bibliothek oder einen Schlosspark zu akquirieren?

Das bedeutet sehr viel Arbeit – für mein Team ebenso wie für die beteiligten Planungsbüros und Firmen. Emotional schwierig wurde es in dem Moment, als ich gemerkt habe, dass ich an die Grenzen der Bürokratie gelange. Wenn wir über das Schlossparkprojekt sprechen, treffen zahlreiche Anforderungen aufeinander – Klima-, Umwelt-, Arten-, Hochwasser- und Denkmalschutz. Und das durchaus mit Kollisionsgefahr.

Die Abstimmungsprozesse mit den einzelnen Behörden dauern dann oft länger als der eigentliche Förderzeitraum, der wiederum an den vom Bundestag beschlossenen Haushalt gekoppelt war. Irgendwann rückte das Ende des Förderzeitraums näher – obwohl wir noch gar nicht mit dem Bauen begonnen hatten. Nach außen musste ich Zuversicht ausstrahlen und den Projektbeteiligten versichern, dass wir das schaffen. Innerlich hatte ich aber große Sorgen: Was passiert, wenn wir scheitern? Was ist, wenn Fördermittel zurückgezahlt werden müssen? Wie erkläre ich das dem Stadtrat?

Diese Situation ließ sich am Ende nur politisch lösen. Oberbürgermeister Gerd Härtig und ich haben den damaligen Bundestagsabgeordneten Carlos Kasper angesprochen und dort Unterstützung gesucht, damit wir beim Bund Gehör finden. Als eine von über 11.000 Kommunen in Deutschland leichter gesagt als getan. Parallel dazu haben Stadtverwaltung, Planer und Fachbehörden mit der Fördermittelstelle um einen verbindlichen Zeitplan gerungen.

In dem Moment, als der Fördermittelgeber den Zeitraum nicht um ein, sondern sogar um zwei Jahre verlängert hat, war ich der glücklichste Bürgermeister der Welt. Damit war das Projekt gerettet. Dieses lange Ringen um den Schlosspark hat mich Demut gelehrt.

Solche Projekte lassen sich kaum allein von einer Stadtverwaltung stemmen. Welche Rolle spielen Vereine, Ehrenamtliche, Denkmalpfleger und Bürgerinnen und Bürger beim Erhalt dieses Ensembles?

Wir haben einen Schlossförderverein, den Heimatverein Wolkenburg-Kaufungen und zahlreiche weitere Netzwerke. Sie alle tragen dazu bei, die Identität des Ortes zu bewahren und weiterzuentwickeln. Für uns als Verwaltung ist es ein großes Glück, mit so engagierten Bürgerinnen und Bürgern zusammenzuarbeiten. Denn wir können längst nicht alles allein leisten. Gleichzeitig arbeiten wir eng mit den zuständigen Landesbehörden und landesweit aktiven Organisationen wie dem Denkmalnetz Sachsen zusammen. Nicht vergessen werden dürfen aber auch die Unternehmer. So konnten Bestandteile der Schlossanlage wie das Schlossgut sowie demnächst die Fronfeste unterhalb des eigentlichen Schlosses durch privates Engagement und private Finanzierung wiederhergestellt werden. Solche Investitionen sind eine unverzichtbare Säule, damit das Denkmalensemble in seiner Gesamtheit erhalten bleibt.

Zum Abschluss ein Blick nach vorn: Was entsteht derzeit in Ihrer Stadt, von dem Sie glauben, dass es in 30 oder 40 Jahren selbst Teil des kulturellen Erbes sein wird – weil man ohne dieses Bauwerk oder Projekt die Geschichte der Region nicht vollständig erzählen könnte?

Vor wenigen Wochen hat die Stadt die Turmpassage übernommen – eines der ältesten und sicherlich markantesten Fabrikgebäude Limbach-Oberfrohnas – gezwungenermaßen. Wenn es uns gelingt, sie wieder attraktiv zu machen, wird man vielleicht in 30 oder 40 Jahren sagen: Das war eine richtige Entscheidung. Denn dieses Denkmal der Industriekultur prägt unsere Innenstadt bis heute. Und wenn wir den Blick von den Denkmälern auf die Infrastruktur richten, dann ist es für mich enorm wichtig, dass wir mit dem „Chemnitzer Modell“ in den 2030er Jahren wieder eine Bahnverbindung nach Chemnitz bekommen. Auch dieses Großprojekt wird die Zukunft unserer Stadt nachhaltig prägen.

Drohnenaufnahme vom Schlosspark Wolkenburg, Bildnachweis: Stadt Limbach-Oberfrohna
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