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13.01.2026 denkmal

Licht im Beton

Mitten im Zweiten Weltkrieg entstand in der belgischen Bergarbeiterstadt Beringen-Mijn ein Bauwerk, dessen Errichtung für diese Zeit wahrlich nicht vermutet werden würde. Es handelt sich um die Sint-Theodarduskirche. Zwischen 1939 und 1943 errichteten die Arbeiterinnen und Arbeiter der Mine ihre religiöse Stätte, während um ihnen herum die Welt auseinanderfiel.

Der Bau begann kurz vor Kriegsausbruch, doch trotz Materialknappheit und politischer Unsicherheit wurde er fortgeführt. Die Mine der Stadt Beringen-Mijn in Belgien finanzierte das Projekt weitgehend selbst, um ihren Arbeiterinnen und Arbeitern ein religiöses und soziales Zentrum zu schaffen. Für viele galt die Kirche als sichtbares Zeichen von Stabilität in einer Zeit, in der die Welt um sie herum zerfiel, belgische Dörfer und Städte in Mitleidenschaft gezogen wurden. Das Dunkel des Innenraums der Sint-Theodarduskirche erinnert an die Stollen unter Tage, das Licht der Fenster an die Hoffnung auf Erlösung.

Diese Fenster sind zugleich das außergewöhnlichste Element der Kirche. Sie bestehen nicht aus klassischem Bleiglas, sondern aus handgegossenem Glas, das direkt in Beton gefasst wurde. Damals handelte es sich um eine technische Innovation, einige Jahrzehnte später stellte sich diese Lösung als echte Herausforderung für die Restaurierung heraus. Denn all die Jahre über führten Witterung und statische Spannungen zu Schäden: Glasstücke sprangen oder lösten sich aus ihrer Fassung.

Seit 2010 läuft ein umfassendes Restaurierungsprojekt, das ab 2016 in zwei Bauphasen umgesetzt wurde. „Vor allem auf der Südseite war der Zustand kritisch – Glas war aus der Betonfassung gefallen, der Druck auf das Glas enorm“, erklärt Jurgen Albert, Verantwortlicher für Glasrestaurierung bei der Brüsseler Firma Renotec. Die größte Herausforderung sei der Ersatz fehlender Teile gewesen. Gemeinsam mit der Glashütte Lamberts im bayerischen Waldsassen wurden neue Gläser in 42 Farbtönen gefertigt. Grundlage waren Originalpläne aus der Bauzeit, ergänzt durch die Orientierung an erhaltenen Fragmenten.

Heute wird die Sint-Theodarduskirche weiterhin für Gottesdienste genutzt, eine museale Nutzung ist jedoch auch denkbar, was dem Umstand geschuldet ist, dass in Beringen-Mijn heute deutlich weniger Menschen religiös sind. Das war damals, als die Kirche errichtet wurde, noch anders. Inmitten des Kriegsgeschehens war ein Gotteshaus für die Bergarbeiterinnen und Bergarbeiter ein dringendes Verlangen.

Die Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart steht auch im Mittelpunkt einer Tagung der Glashütte Lamberts am 29. und 30. Januar 2026 in Waldsassen. Unter dem Titel „Glas ist Kulturerbe“ werden dort internationale Referenzprojekte vorgestellt – darunter auch die Sint-Theodarduskirche von Beringen-Mijn.

Der Innenraum der St. Theodarduskirche erinnert an die Minenschächte in Beringen-Mijn, Bild: RENOTEC
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