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10.03.2026 denkmal

Sandstrahltechnik? Ist variabler, filigraner Denkmalschutz!

Sie hat sich in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend geändert – die Sandstrahltechnik. Im Gespräch mit Thomas Schmidt, Geschäftsführer der Schmidt Sandstrahltechnik GmbH, zeigt sich, dass es etwas Arbeit – unter anderem mittels des Auftritts bei der denkmal – bedarf, das Image des groben Strahlens an die Realität anzupassen. Denn Präzision und Anpassungsfähigkeit an das jeweilige Material machen die Produktpalette des denkmal-Ausstellers der ersten Stunde heute aus.

Herr Schmidt, was hat es mit Denkmalschutz zu tun, wenn ein Gerät mit hohem Druck auf Oberflächen herumfuhrwerkt?

Wenn man mit „hohen Druck auf Oberflächen herumfuhrwerkt“, geht das meist nach hinten los. Historische Materialien wie Sandstein, Ziegel oder altes Holz haben über Jahrzehnte oder Jahrhunderte eine natürliche Schutzschicht gebildet, die durch falsche Handhabung einfach zerstört werden kann. Bei filigranen Ornamenten oder alten Inschriften kann hoher Druck Details einfach „wegradieren“. Einmal weggestrahlt, ist die historische Information verloren. Ziel ist es, die Originalsubstanz zu erhalten.

Wie hat sich die Technologie, die Sie verkaufen, in den letzten 30 Jahren verändert, gerade mit Blick auf die Ansprüche des Denkmalschutzes?

Durch modernere Schaltventile und optimierter Schaltzeiten gehört das gefürchtete „Nachlaufen“ oder unkontrollierte Druckspitzen der Vergangenheit an. Wir können den Strahlvorgang heute genau steuern. Das ermöglicht ein punktgenaues Ansetzen und Absetzen, wodurch empfindliche Strukturen geschützt werden.

Früher war die Auswahl an Strahlmitteln begrenzt und oft zu aggressiv. Heute bieten wir eine enorme Bandbreite an spezialisierten Strahlgranulaten. Ob extrem weiches Walnussschalengranulat, feinstes Glaspudermehl oder mineralische Rundkörnchen – wir passen das Medium exakt an die Härte und Porosität der historischen Oberfläche – vom weichen Sandstein bis zum antiken Eichenbalken – an.

Schonenderes Arbeiten betrifft nicht nur das Objekt, sondern auch den Anwender. Durch eine deutlich ergonomischere Handhabung der Strahlpistolen ist eine ermüdungsärmere und präzisere Führung möglich. Wer weniger erschöpft ist, arbeitet konzentrierter und das schützt letztlich das Denkmal vor menschlichen Fehlern.

Bild: Schmidt Sandstrahltechnik GmbH

Welche Auswirkungen hatte das auf Ihren Messeauftritt bei der denkmal?

Früher war Strahlen oft ein Sinnbild für das Grobe. Heute ist auch Feinstarbeit möglich. Diesen Aspekt aus den Köpfen der Besucher heraus zu bekommen, war und ist die Herausforderung.

Immerhin sind Sie ja auch Aussteller der ersten Stunde und seit 1994 – der ersten denkmal-Ausgabe – jedes Mal in Leipzig dabei gewesen. Das spricht auch für eine erfolgreiche Unternehmensgeschichte. Worin begründet sich der Erfolg Ihres Unternehmens?

Jedes Denkmal ist ein Unikat. Deshalb verkaufen wir keine Geräte von der Stange. Wir hören den spezifischen Fragen und Vorgaben unserer Kunden genau zu. Unsere Mitarbeiter sind keine Theoretiker im Anzug. Sie kennen den Alltag auf der Baustelle und die Tücken des Materials aus eigener praktischer Erfahrung. Der entscheidende Punkt, der uns auch als ein Familienunternehmen von einem Großkonzern unterscheidet, ist die Fähigkeit, wirklich hinzuhören, auf kundenspezifische Wünsche einzugehen und praxisnahe Lösungen zu entwickeln. Im Denkmalschutz gibt es keine Lösung von der Stange, weil jedes Gebäude, jeder Stein und jede Holzart eine eigene Geschichte und damit eigene Anforderungen hat.

Bild: Schmidt Sandstrahltechnik GmbH

Derzeit ist die wirtschaftliche Lage aus vielerlei Gründen nicht allzu rosig. Wie hart haben Sie derzeit zu kämpfen, was ist Ihre größte Baustelle?

Wir bei Schmidt Sandstrahltechnik spüren natürlich auch, dass der Wind kälter weht. Kunden überlegen heute dreimal, ob sie investieren. Die Neuanschaffung auf Verdacht gibt es kaum noch. Es wird genau gerechnet, ob sich ein Gerät amortisiert. Da unser Produktprogramm so weit gefächert ist und wir nicht nur von einer Branche abhängen, fangen wir Schwankungen in einem Bereich oft durch den Aufschwung in einem anderen Segment auf, zum Beispiel beim Energie-Sektor. Trotz allem können wir noch sehr zufrieden sein und haben selbst in den letzten Jahren zusätzlich in einen neuen Firmensitz mit einem modernen Büro-, Produktions- und Lagergebäude mit großzügigem Strahlmittellager, innovativen Vorführstrahlräumen und funktionalen Schulungsbereichen investiert. Damit haben wir optimale Voraussetzungen für Kundenpräsentationen, Mitarbeiterschulungen und effiziente Abläufe geschaffen. Auch ist Personalabbau kein Thema.

Welchen Vorteil können Sie gerade in einer solchen Situation durch einen Messeauftritt bei der denkmal ziehen?

Es signalisiert, dass es uns gut geht, wir sind solide, wir investieren. Das nimmt dem Kunden die Angst, in ein System zu investieren, dessen Hersteller in zwei Jahren vielleicht nicht mehr existiert. Zudem erfährt man im direkten Gespräch, welche Themen aktuell sind.

Gerade da Sie langjähriger Aussteller sind, ist Ihr kritisches Feedback umso willkommener – was wünschen Sie sich für die Zukunft der denkmal?

Ich wünsche der denkmal vor allem, dass sie sich weiterhin gut entwickelt und ein großes Spektrum an Fachpublikum anspricht. Deshalb ist es uns wichtig, dass hier die Fahne für echtes Handwerk und den passenden Werkzeugen für die Denkmalpflege hochgehalten wird.

Bild: Schmidt Sandstrahltechnik GmbH
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