Nass erhaltene organische Funde, etwa aus Rinde, Holz oder Fasern aus der Ur- und Frühgeschichte sind grundsätzlich selten und stellen gerade aus diesem Grund ein großartiges Erkenntnispotential dar. Der Umgang mit solchen Funden stellt Forschende aber vor Herausforderungen in Bezug auf nachhaltiges Handeln, die sich auf Konservierung, Dokumentation und Lagerung beziehen.
Häufig bedeutet allein die Freilegung organischer Funde einen maßgeblichen zeitlichen Aufwand, da mit großer Vorsicht vorgegangen werden muss und aufwendige Stützkonstruktionen notwendig sind, um die fragilen Funde nicht zu beschädigen. Ab dem Zeitpunkt der Bergung müssen die Objekte adäquat feucht und kühl gelagert und auch zeitnah konserviert werden, um nicht nach der Bergung zu degenerieren und so doch verloren zu gehen. Je nach Zustand und Fragmentierungsgrad der jeweiligen Objekte bindet die Konservierung mitunter stark zeitliche Ressourcen und teilweise sind Materialien wie Objekte aus Baumrinden so selten, dass keine optimale Standardbehandlung bekannt ist. Zur Erreichung einer ausreichenden Stabilität wurden in den letzten 50 Jahren häufig starke und invasive Festigungsbehandlungen angewandt, die jedoch die Lesbarkeit und Identifizierung der Baumrinde beeinträchtigen und damit die archäologische Auswertung erheblich erschweren. Heute versucht man, weniger in die Substanz einzugreifen; jedoch sind die Objekte nach dem Trocknen dann häufig sehr fragil, sodass jede Handhabung ein Schadenspotenzial birgt.
Das Problem des Zeitaufwands potenziert sich an Fundstellen mit gehäuftem Auftreten organischer Funde, etwa in der Pfahlbauarchäologie im alpinen Vorland. Hier kann es nötig sein zu selektieren und zu priorisieren, welche organischen Funde dauerhaft konserviert werden. Eine längere, unkonservierte, nasse und kühle Lagerung stellt einen hohen Energieverbrauch dar und verzögert die weitere Zersetzung nur, verhindert diese aber nicht. Ein Gefrieren würde die biologischen Abbauprozesse stoppen, ist aber unter energetischen und konservatorischen Gesichtspunkten kritisch. Und selbst bei konservierten Funden kann die langfristige Lagerung schwierig sein, weil an Verpackungsmaterial und Raumklima besondere Anforderungen gestellt werden, die ohne energetischen Aufwand und ohne erdölbasierte Ressourcen nicht erfüllt werden können.
Umso wichtiger ist es für alle organischen Funde, sie möglichst zeitnah und ggf. aufwendig zu dokumentieren. Das gilt insbesondere für gut erhaltene Objekte, an denen konstruktionstechnische Merkmale und Details wie Schnüre oder Bearbeitungsspuren von z. B. Beilen noch vorhanden und untersuchbar sind. Hierfür fehlen in der Regel aber die personellen Ressourcen und mitunter auch das Fachwissen, weil organische Funde weiterhin und gemeinhin als weniger spektakulär betrachtet werden als z. B. Metallfunde.
Im Vortrag werden diese Herausforderungen am Beispiel von Rinden- und Holzfunden im Rahmen der Erfahrungen von Mitgliedern des Projekts Archaeobark aus konservatorisch-restauratorischer, dendrologischer und archäologischer Perspektive aufgezeigt. Zudem wird für die Entwicklung nachhaltiger Konzepte im Umgang mit organischen Materialien plädiert. Diese müssen Aspekte wie bewusste Auswahl der zu konservierender Funde, das Verhältnis von Aufwand zu Erkenntnisgewinn, zeitliche und personelle Ressourcen sowie verschiedene Dokumentationsmöglichkeiten einbeziehen; nicht zuletzt müssen sie der Problematik fachlich und sachlich angemessen, andererseits aber auch umsetzbar sein.