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100 Jahre Lorenz Leuchten: Ein Goldmedaillengewinner feiert Jubiläum
Vom Überleben durch Krisen und politische Umbrüche bis zur Auszeichnung mit der denkmal-Goldmedaille: Das Chemnitzer Familienunternehmen Lorenz Leuchten blickt auf 100 Jahre Geschichte zurück. Im Jubiläumsjahr erinnert Inhaber Mario Lorenz zugleich an einen besonderen Erfolg – die Auszeichnung mit der denkmal-Goldmedaille für die Sanierung der Villa Esche.
Als Paul Lorenz 1926 seine Werkstatt gründete, kurz vor Ausbruch der Weltwirtschaftskrise, standen die Karten im Grunde enorm schlecht, dass es den Betrieb lange geben würde. Hundert Jahre später existiert Lorenz Leuchten noch immer – ein Familienunternehmen, das Weltwirtschaftskrise, Nationalsozialismus, Krieg, DDR-Regime und die tiefgreifenden Umbrüche nach der Wiedervereinigung überstanden hat. Dass wir das Erbe weitergeführt haben und das Unternehmen über so lange Zeit Bestand hat, darauf bin ich besonders stolz“, sagt Mario Lorenz, Enkel des Firmengründers und heutiger Inhaber. Dass die Firma bis heute existiert, führt er vor allem auf ihre Größe zurück. Mehr als fünf oder sechs Beschäftigte habe das Unternehmen nie gehabt. Lorenz: „Eine kleine Einheit ist ziemlich flexibel. Diese Flexibilität macht die Firma aus. Wir können auf jedes Problem und jede Herausforderung schnell reagieren.“
Diese Anpassungsfähigkeit war insbesondere nach der Wiedervereinigung gefragt. Ein Teil der bisherigen Produktion brach weg. Zu DDR-Zeiten fertigte das Unternehmen unter anderem Uhrengehäuse. Dieser Teil der Produktion brach nach 1990 vollends weg. Doch ein bedeutender Auftrag erwies sich als Rettungsanker: Noch 1988 erhielt Lorenz Leuchten den Auftrag, die historischen Leuchten der Gemäldegalerie im Dresdner Zwinger neu herzustellen. Die Arbeiten liefen bis 1991 und halfen dem Unternehmen durch die wirtschaftlich schwierige Umbruchzeit. „Das war unser Rettungsring“, erinnert sich Lorenz.
Logo von Lorenz Leuchten mit dem flaemischen Kronleuchter (Foto: Lorenz Leuchten)
Handwerk, das Generationen verbindet
Die traditionellen Handwerkstechniken, die bis heute Grundlage der Arbeit bilden, hätten den Firmengründer vermutlich gefreut. Denn: „Wenn mein Großvater in unsere Werkstatt kommen würde, dann könnte er sofort mit der Arbeit beginnen“, sagt Lorenz. Zwar würden heute Computer etwa für Visualisierungen genutzt, doch die eigentlichen Arbeitsschritte seien nahezu unverändert geblieben. Schleifen, Polieren, Lackieren oder Metallbearbeitung erfolgen noch immer mit jahrhundertealten Techniken. „Heute gilt es vor allem darauf zu achten, dass diese Kenntnisse und Fähigkeiten nicht verloren gehen“, betont Lorenz. Die Sicherung und Weitergabe dieses Wissens gehören für ihn zu den zentralen Aufgaben des Handwerks.
Kronleuchter Buergergarten Stollberg (Foto: Lorenz Leuchten)
Ein Kronleuchter als Sinnbild
Wie viel handwerkliches Können dafür notwendig ist, zeigt ein Projekt, das Lorenz besonders in Erinnerung geblieben ist. Für die Sanierung des Bürgergartens im erzgebirgischen Stollberg wurde 2012 ein historischer Kronleuchter restauriert, der ursprünglich 1898 von der Chemnitzer Firma Barthel für die Weltausstellung in Paris gefertigt worden war. Nach der Weltausstellung lagerte das stark beschädigte Stück auf dem Dachboden eines Gasthofs in Neukirchen bei Chemnitz. Als Mario Lorenz den Leuchter 2011 erstmals begutachtete, war er bereits in zahlreiche Einzelteile zerfallen. Mit großem Aufwand setzte er ihn wieder zusammen. Als für die Sanierung des Bürgergartens ein passender Kronleuchter gesucht wurde, fand das historische Stück schließlich einen neuen Platz – nur wenige Kilometer von seinem langjährigen Lagerort entfernt, gemeinsam mit einer exakten Kopie, die Lorenz Leuchten selber herstellte. Die Restaurierung wurde später sogar von der Fernsehsendung „einfach genial“ begleitet. Wenn ein Kronleuchter sinnbildlich für das Unternehmen stehe, dann wohl dieser Leuchter. Für das gesamte Handwerk der Gürtler und Metalldrücker steht für Lorenz aber ein anderer Leuchter. Der, der auch im Firmenlogo zu finden ist, ein flämischer Kronleuchter. Bei dem müsse jede Technik angewendet werden, die es für dieses Kunsthandwerk benötige – angefangen beim Rohrbiegen über die Oberflächenbearbeitung und das Metalldrücken bis hin zur Elektrifizierung.
Montage des Kronleuchters in Stollberg. Er wurde ursprünglich 1898 von der Chemnitzer Firma Barthel für die Weltausstellung in Paris gefertigt (Foto: Lorenz Leuchten)
2006 – Goldmedaille für die Villa Esche
Besondere Anerkennung erhielt das Unternehmen 2006 auf der denkmal in Leipzig. Gemeinsam mit der Tischlerei Sebastian Schulz wurde Lorenz Leuchten damals mit der Goldmedaille ausgezeichnet. Anlass war die Rekonstruktion historischer Ausstattungsdetails in der Villa Esche in Chemnitz. Die Villa gilt als eines der bedeutendsten Jugendstil-Ensembles Deutschlands. Entworfen wurde sie 1902 vom belgischen Künstler und Architekten Henry van de Velde als Gesamtkunstwerk, bei dem Architektur, Möbel, Leuchten und selbst Gebrauchsgegenstände gestalterisch aufeinander abgestimmt waren. Für die Restaurierung erwies sich ein besonderer Fund als Glücksfall: Historische Fotografien des ursprünglichen Zustands waren in der Dachkonstruktion verborgen und konnten ausgewertet werden. Auf dieser Grundlage gelang die Rekonstruktion zahlreicher Einrichtungsdetails, darunter Leuchten und Holzarbeiten. Die Jury der denkmal würdigte diese Leistung mit der Goldmedaille.
2026 – Erneut Gold fürs Denkmal
Zwanzig Jahre später wird die Auszeichnung erneut vergeben. Die Goldmedaillen der denkmal gelten europaweit als eine der bedeutendsten Ehrungen der Denkmalpflege. Seit 1996 zeichnet die Leipziger Messe damit herausragende Leistungen beim Erhalt des kulturellen Erbes aus.
Prämiert werden unter anderem Restaurierungsprojekte, innovative Technologien und Materialien, digitale Anwendungen, die Sicherung und Weitergabe traditioneller Handwerkskompetenzen, erfolgreiche Ansätze zur Nachwuchsgewinnung sowie besonderes bürgerschaftliches Engagement.
Bis zum 15. September 2026 können Aussteller der denkmal ihre Bewerbungen einreichen. Anfang Oktober werden die Nominierten bekannt gegeben. Die Verleihung der fünf Goldmedaillen findet am 6. November 2026 auf der denkmal in Leipzig statt.
Jubiläum als Branchentreffen
Für Mario Lorenz steht im Jubiläumsjahr jedoch zunächst ein anderes Ereignis im Mittelpunkt: Am 24. September lädt das Unternehmen Wegbegleiter aus Denkmalpflege, Planung, Hochschulen, Kirchen, Politik und öffentlichen Bauverwaltungen zu einem Fachtreffen nach Chemnitz ein, auch die denkmal und damit die Leipziger Messe werden vertreten sein.
Die Veranstaltung soll vor allem Gelegenheit zum Austausch und zur Vernetzung bieten. Lorenz findet: „Klar, man trifft sich auch immer auf der denkmal, aber diesmal kommen alle, mit denen wir sonst zusammenarbeiten, bei uns in Chemnitz-Grüna. Und das ist auch mal schön.“ Das findet die denkmal auch – und gratuliert ganz herzlich!