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13.01.2026 denkmal

Das Bunte im Kulturerbe – im Gespräch mit David Kremer

Seit fast fünf Jahrzehnten bringt Kremer Pigmente vergessene Farben zurück ans Licht. Im Interview spricht Geschäftsführer David Kremer über Familientradition, politische und wirtschaftliche Herausforderungen, internationale Konkurrenz – und darüber, was es bedeutet, Farbe wieder so herzustellen, wie sie vor Jahrhunderten gedacht war.

Herr Kremer, Kremer Pigmente ist seit 1994 fester Bestandteil der denkmal. Wie hat sich Ihr Messeauftritt über die Jahre verändert?

Unser Sortiment hat sich stetig verbreitert – und damit auch unser Messeauftritt. Der Stand ist über die Jahre gewachsen, wenn auch nicht ins Unendliche. Wir sind und bleiben ein mittelständisches Familienunternehmen. Das Wachstum spiegelt sowohl die Entwicklung des Unternehmens als auch die Bedeutung wider, die die denkmal für uns hat. Der Messeauftritt hat sich für uns immer gelohnt, fachlich wie wirtschaftlich.

Was bedeutet es für Kremer Pigmente, historische Farben wiederherzustellen?

Es bedeutet, jahrhundertelang verlorenes Handwerk wieder zum Leben zu erwecken. Anders als industrielle Standardpigmente variieren natürliche Mineralien je nach Herkunft und entfalten im Licht eine besondere Leuchtkraft. Unsere Arbeit stellt diese Vielfalt und Intensität wieder her – Farben, die so wirken, wie sie ursprünglich gedacht waren, und die historische Substanz respektieren.

Welche Herausforderungen haben Sie in den vergangenen Jahrzehnten besonders geprägt?

Es gab immer wieder politische Phasen, in denen der Erhalt des kulturellen Erbes stärker gefördert wurde – und andere, in denen das weniger der Fall war. Als kleiner Betrieb muss man sich diesen Rahmenbedingungen kontinuierlich anpassen. Wenn öffentliche Mittel zurückgehen, fallen auch Aufträge weg. Umso wichtiger ist es für uns, über Messen wie die denkmal auch private Auftraggeber zu erreichen.

Hinzu kommen in den letzten Jahren immer mehr Regularien: Rohstoffe werden eingeschränkt oder neu reguliert, Rezepturen müssen angepasst werden. Gleichzeitig müssen wir unsere Kundinnen und Kunden informieren, damit historische Bauwerke und Kunstwerke weiterhin fachgerecht konserviert werden können. Das ist ein permanenter Balanceakt zwischen Tradition, Wissenschaft und Regulierung.

Welche Rolle spielt die Familientradition bei Kremer Pigmente?

Eine sehr große. Mein Vater hat das Unternehmen 1977 eher zufällig gegründet, weil ein historisches Rohmaterial – Smalte – am Markt nicht mehr verfügbar war. Als promovierter Chemiker hat er die Rezeptur rekonstruiert. Daraus entstand Schritt für Schritt ein Unternehmen, das sich ganz der Farbe, der Geschichte und dem Handwerk verschrieben hat.

Heute führen wir mehrere Tausend Produkte für hochspezialisierte Anwendungen, beschäftigen rund 40 Mitarbeitende am Standort und beliefern Kundinnen und Kunden weltweit. Ich bin mit dem Unternehmen aufgewachsen, habe die Faszination für historische Pigmente früh kennengelernt und mich Anfang 2020 entschieden, in die Geschäftsführung einzusteigen. Gerade die Verbindung von Chemie, Handwerk und Kulturerbe macht diese Arbeit so besonders.

Wie stark trifft Sie die aktuelle wirtschaftliche Lage?

Bislang sind wir vergleichsweise gut durch diese Zeit gekommen. Natürlich beobachten wir die politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen sehr genau – gerade mit Blick auf die anstehenden Landtagswahlen. Wir hoffen, dass jene politischen Kräfte gestärkt werden, die sich für den Schutz des kulturellen Erbes, für Demokratie und Rechtsstaat, Vielfalt und Buntheit einsetzen. Das schafft Planungssicherheit und Vertrauen, auch für Investitionen in diesem sensiblen Bereich. Kulturelle Grabenkämpfe würden unserer Branche schaden. Deshalb ist Stabilität hier ein wichtiger Faktor.

Welche weiteren Herausforderungen sehen Sie für die kommenden Jahre?

Wir müssen international wettbewerbsfähig bleiben – trotz steigender Kosten und Konkurrenz aus Ländern mit niedrigen Löhnen und Materialpreisen. Unser Gegenmodell ist und bleibt Qualität: gleichbleibend hohe Standards, handwerkliche Fertigung und fundiertes Wissen.

Ein weiteres großes Thema ist der Fachkräftemangel. Die Lage ist ernst, Arbeitslosigkeit kennen wir in unserer Branche praktisch nicht. Umso wichtiger ist es, junge Menschen für dieses besondere Feld zu begeistern und Wissen weiterzugeben – sei es über Ausbildung, Praktika oder Workshops.

Unterstützt Sie dabei auch die denkmal?

Teilweise, ja. Es gibt immer wieder Anfragen für Praktika oder fachlichen Austausch. Da wir in Süddeutschland ansässig sind, ist Nachwuchsgewinnung aber nicht das vorrangige Ziel unseres Messeauftritts. Für uns steht der internationale fachliche Dialog im Mittelpunkt.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der denkmal?

Ich würde mir wünschen, dass noch mehr internationale Besucherinnen und Besucher sowie Ausstellerinnen und Aussteller – etwa aus Italien oder den Benelux-Ländern – den Weg nach Leipzig finden. Es gibt kaum noch spezialisierte Restaurierungs- und Handwerksmessen. Umso wichtiger wäre es, die denkmal weiter als europäischen Treffpunkt zu stärken.

Die Pigmentwand, Bild: Kremer Pigmente
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