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22.06.2026 denkmal

Die Italien-Reise der Katarina Singer

Im Mai fand die Salone del Restauro im italienischen Ferrara statt. denkmal – Mitarbeiterin Katarina Singer ist hingefahren und hat einiges erlebt und spannende Impulse mitgebracht. Ein Bericht aus einem Land mit ho8her Dichte an Kulturdenkmalen und einiger Erdbebenerfahrung.

Mit welchen Erwartungen bist du nach Ferrara gereist – und wurden sie erfüllt?

Das denkmal-Team wollte die Salone del Restauro kennenlernen, wissen, was gezeigt wird, wie Denkmalpflege in Italien betrieben wird. Immerhin ist Italien das Land mit einer außergewöhnlichen Dichte an Kulturdenkmalen. Für uns war deshalb interessant zu sehen, wie und mit welchen Vertretern aus Italien wir zusammenarbeiten könnten und welche Themen die Branche dort bewegen.

Vor Ort hat sich dann vieles sehr spontan ergeben, ich habe zahlreiche unerwartete, immer angenehme Gespräche geführt. Besonders gefreut hat mich, wie offen ich empfangen wurde. Ich hoffe, dass wir an einige der Kontakte weiter anknüpfen können. Meine Hochachtung gilt dem Verband Assorestauro, der sich der Bewahrung des immensen Kulturerbes in Italien verschrieben hat. Für die internationale Delegation wurde sogar ein eigenes Programm organisiert. Dabei wäre ich auch ohne ein solches Angebot nach Ferrara gereist. Besonders schön war zu hören, dass die denkmal dort bereits als Marke bekannt ist.

Der Dom in Ferrara (Foto: Katarina Singer)

Gab es neue Materialien oder Verfahren, die dir besonders aufgefallen sind?

Mein Fokus lag vor allem auf Projekten im Bereich mittelalterlicher und Renaissance-Bauten. Besonders beeindruckt haben mich die Besuche in Ferrara und Bologna. In Ferrara war die Kathedrale ein spannendes Beispiel. Nach dem Erdbeben von 2012 wird dort bis heute an Sicherungs- und Restaurierungsmaßnahmen gearbeitet. In Bologna waren die Auswirkungen der Erdbeben an der Kirche San Francesco besonders deutlich sichtbar. Mich fasziniert, wie es gelingt, historische Bauwerke zu sichern und gleichzeitig ihr Erscheinungsbild weitgehend zu bewahren. Da können wir viel von den italienischen Denkmalpflegerinnen und -pflegern lernen. Es ist wirklich Wahnsinn, was in Italien geleistet wird.

Basilica San Domenico in Bologna (Foto: Katarina Singer)

Welche Unterschiede hast du in der Wertschätzung für die eigenen Denkmäler im Vergleich zu Deutschland wahrgenommen?

Die Verbundenheit, die Identifikation mit der eigenen Geschichte und dem kulturellen Erbe ist sehr stark ausgeprägt. Das schließt auch und vor allem historische Bauwerke mit ein. Gleichzeitig gibt es in Italien so viele bedeutende Denkmäler, dass manches für die Italienerinnen und Italiener beinahe selbstverständlich zu wirken scheint, während Besucherinnen und Besucher aus dem Ausland immer noch staunend davorstehen.

Welche Impulse konntest du für die denkmal aus Ferrara mitnehmen?

Ein wichtiger Impuls war der Austausch mit italienischen Institutionen wie Assorestauro. Die Wertschätzung darüber, dass wir uns für ihre Arbeit interessieren, war deutlich spürbar. Die Salone del Restauro bietet viele Möglichkeiten für den direkten Austausch. Italien ist so reich an kulturellen Schätzen – und diese sollten sich auch international noch stärker zeigen.

Inhaltlich haben mich vor allem die Themen Katastrophenvorsorge und Resilienz beschäftigt, denn auch wir müssen mit Bränden und Hochwasserereignissen umgehen. Da gilt es nicht nur, akut zu handeln wie nach dem Erdbeben 2012, sondern auch präventiv Lösungen zu finden. Das gilt umso mehr in Zeiten des Klimawandels. Der Schutz des kulturellen Erbes in Notfallsituationen und klimagerechtes, nachhaltiges Bauen machen schließlich zwei der fünf Säulen der denkmal aus.

Ausbildungszentren auf der Salone del Restauro (Foto: Katarina Singer)

Welche Aussteller oder Institutionen würdest du gern auf der nächsten denkmal sehen?

Besonders spannend fand ich ein Unternehmen, das Sicherungssysteme für Arbeiten an historischen Bauwerken präsentiert hat. Die Seile konnten mithilfe einer VR-Brille das Arbeiten in großen Höhen nachempfinden. Das habe ich auch einmal ausprobiert, allerdings mit beiden Beinen auf dem Boden und nicht in Seilen hängend. Da stand ich plötzlich auf einem Turm – unter mir gefühlt 100 Meter Tiefe – und konnte dort verschiedene Arbeitssituationen simulierend ausprobieren. Solche Anwendungen dienen auch der Ausbildung von Denkmalpflegerinnen und Denkmalpflegern und zeigen eindrucksvoll, welche Möglichkeiten moderne Technologien inzwischen bieten.

Darüber hinaus würde ich mich freuen, den italienischen Architektenverband, SIRA - Società Italiana per il Restauro dell’Architettura, auf der denkmal zu begrüßen. Dort gibt es großes Interesse an einer stärkeren internationalen Vernetzung. Die denkmal wäre dafür der ideale Ort, denn hier treffen sich Fachleute aus ganz Europa. Auch eine stärkere Zusammenarbeit mit der Italienischen Handelskammer wären aus meiner Sicht eine Bereicherung für den europäischen Vernetzungsgedanken der denkmal.

Welchen messefachlichen Impuls nimmst du persönlich aus Ferrara mit?

Besonders beeindruckt haben mich die Exkursionen für die internationalen Delegationen durch Ferrara selber aber auch in das benachbarte Bologna. Da stellt sich direkt ein Austausch mit anderen internationals ein. So habe ich neben vielen Italienerinnen und Italienern auch mit Menschen aus der Ukraine, den USA, Bulgarien, Georgien, Frankreich, Brasilien und Libanon gesprochen. Das wäre schon eine tolle Idee für Leipzig, solche Exkursionen durchzuführen und damit den internationalen Charakter der Messe zu stärken. Wir haben allein schon in Leipzig viel von Interesse zu bieten. Neben bekannten historischen Bauwerken wie dem Völkerschlachtdenkmal verfügt die Stadt über eine einzigartige Industriekultur und bedeutende Zeugnisse der Ostmoderne beziehungsweise sozialistischen Architektur. Gerade da besteht heute großes Interesse in der Denkmalpflege. Und nicht zuletzt ist Leipzig einer der Hauptorte der Friedlichen Revolution und damit der Wiedervereinigung Europas!

Katarina Singer in Ferrara - Voller Einsatz für den Kulturerhalt (Foto: Katarina Singer)
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