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27.05.2026 denkmal

Europas historische Baumasse: einmal durchsanieren bitte!

Fünf Objekte, verstreut über Europa, jedes einmal saniert – und in einem Aufwasch die energieeffiziente Sanierung für einen Großteil der historischen Baumasse des ganzen Kontinents beschleunigt und ermöglicht. Dieses Ziel hat sich das Projekt FuturHist auf die Fahne geschrieben. Mit dabei sind der denkmal verbundene Akteure.

Jeder, der in der Denkmalpflege tätig ist, weiß um den Aufwand energieeffizienter Sanierung historischer Gebäude. Jedes Mal aufs Neue müssen die Gegebenheiten des Objekts eingehend analysiert und individuelle Lösungen gefunden werden. Das frisst Zeit. Um die Sanierungsquote historischer Gebäude zu steigern und Planungsprozesse zu erleichtern, haben sich 18 Organisationen, Betriebe, Universitäten und Verbände aus neun verschiedenen europäischen Ländern im Projekt FuturHist zusammengeschlossen. Die Idee hinter FuturHist ist so einfach wie genial: anhand eines Gebäudes, das die Typologie einer bestimmten historischen Baumasse Europas repräsentiert, wird eine energieeffiziente Sanierung durchgeführt. So kann sie auf zahlreiche weitere Gebäude derselben Typologie angewendet werden. Solche „demo cases“ werden derzeit in vier Ländern – in Spanien, Großbritannien, Schweden und Polen – umgesetzt. Unterschiedliche klimatische Bedingungen, Nutzungsweisen und Materialien kommen in FuturHist zusammen und repräsentieren damit nicht nur einen Großteil der historischen Baumasse des Kontinents sondern auch die architektonische Vielfalt Europas. Gefördert wird dies von der Europäischen Union und dem United Kingdom. Doch welche Gebäude sind es nun, die da saniert werden?

Cordoba (Haus mit vielen Terrassen): Cordoba Plaza de la Corredera, Fot. AVRA

Jahreszeitgerechte Sozialwohnungen in Andalusien

Im spanischen Córdoba ist es eine Casa de Pisos – ein Mehrfamilienhaus – das derzeit saniert wird. Eine der Herausforderungen: Zwar wird es in Córdoba im Sommer extrem heiß, aber dennoch muss ein gewisser Grad an Wärme im Winter organisiert werden. Anders als vielleicht vermutet ist es in andalusischen Häusern in der kalten Jahreszeit in Ermangelung von Heizsystemen auch gern mal frostig. Wie bei allen anderen demo cases auch wird sowohl auf passive Lösungen als auch auf den Einsatz aktiver Systeme gesetzt. Vorgefertigte Platten auf Kalkbasis werden zur Wärmedämmung und zur Regulierung des Raumklimas eingesetzt, die bisherigen Balkontüren werden restauriert und eine mit den historischen Gegebenheiten des Gebäudes vereinbare Heizung und Kühlung installiert. Das Besondere an diesem Gebäude ist die zusätzliche soziale Komponente: Sozialwohnungen und historische Bausubstanz in bester städtischer Lage gehen hier Hand in Hand. Die Fenster übrigens werden vom langjährigen denkmal-Aussteller, der Holzmanufaktur Rottweil, restauriert, einer der beteiligten 18 Organisationen und Betriebe.

Modernes Innenraumklima für schwedisches Verwaltungsgebäude

Direkt gegenüber dem Dom von Linköping liegt das Verwaltungsgebäude der schwedischen Kirche – ein denkmalgeschützter Bau, dessen älteste Teile aus dem frühen 19. Jahrhundert stammen. Einst Schule, später Bibliothek und Verwaltungssitz, steht das Gebäude heute exemplarisch für die Herausforderung, historische Nichtwohngebäude energetisch zu modernisieren, ohne ihre denkmalpflegerischen Werte zu beeinträchtigen. Im Fokus des FuturHist-Projekts stehen deshalb weniger einzelne Baumaßnahmen als vielmehr die Entwicklung tragfähiger Strategien: Wie lässt sich ein modernes Innenraumklima energieeffizient und kostengünstig schaffen? Welche Nutzung passt langfristig zu einem historischen Gebäude? Und wie können Klima- und Denkmalschutzziele zusammengedacht werden? Besonders wichtig sind dabei Fragen nach Raumklima und thermischem Komfort. Die Erkenntnisse aus Linköping sollen nicht nur diesem Gebäude helfen, sondern auch dem großen Gebäudebestand der schwedischen Kirche auf ihrem Weg zur Klimaneutralität bis 2030.

Kraków (kleines zweigeschossiges Haus): Terraced House in Kraków, fot. Zarząd Budynków Komunalnych w Krakowie

Schornsteine umnutzen – vielleicht bald in 83 Prozent der historischen Gebäude Polens!

Mitten in Kraków wird ein denkmalgeschütztes Wohnhaus aus dem 19. Jahrhundert saniert, das exemplarisch für 83 Prozent der historischen Gebäude in Polen steht: Massive Ziegelwände, traditionelle Kastenfenster, alte Kellerstrukturen. Lange Zeit wurde mit Kohleöfen geheizt. Heute befinden sich hier zwei Sozialwohnungen, Gewerberäume und ein Buchladen unter einem Dach. Im Rahmen des FuturHist-Projekts wird eine lange Liste unterschiedlicher Ansätze kombiniert. Darunter fallen Innendämmungen mit natürlichen Materialien, traditionelle Lehmisolierungen im Fundamentbereich, begrünte Fassaden gegen Überhitzung und Feuchtigkeit sowie das Auffangen und Nutzen von Regenwasser mittels Tanks. Für die Lüftung und die dazugehörige Wärmerückgewinnung wird übrigens auf eine spannende Lösung gesetzt. Die heute ungenutzten Schornsteine aus der Zeit der Kohleheizung sollen zu Lüftungsschächten umfunktioniert werden.

Soziale Verantwortung und Denkmalschutz verbinden – schottische Veteranenhäuser

Ursprünglich von Landeigentümern genutzt, um ihre Arbeitskräfte unterzubringen, ist heute ein ganz anderer Zweck für die „Georgian cottages“ im schottischen Edinburgh vorgesehen. Die Organisation Scottish Veterans Residences will die Anlagen heute für wohnungslose Veteranen öffnen und ihnen so ein Zuhause geben. Die Anlage der Scottish Veterans Residences verbindet damit soziale Verantwortung und Denkmalschutz auf besondere Weise. Gleichzeitig stehen die Gebäude exemplarisch für die Herausforderungen des schottischen Klimas: feuchte Winter, zunehmend warme Sommer und ein hoher Energiebedarf in historischen Bauten.

Im Mittelpunkt des FuturHist-Projekts steht hier die historische Kalkputzfassade, die traditionell nicht nur als Wetterschutz, sondern auch zur Verringerung von Wärmeverlusten diente. Getestet wird ein innovativer, selbstheilender und dämmender Kalkputz, der historische Bauweisen mit modernen energetischen Anforderungen verbinden soll. Begleitet werden die Maßnahmen von umfangreichen Vorher-Nachher-Messungen, um die Auswirkungen auf Raumklima, Energieverbrauch und Bauphysik besser zu verstehen. Die Erkenntnisse sollen dabei weit über Edinburgh hinaus für vergleichbare historische Gebäude in Schottland und ganz Großbritannien nutzbar werden.

Edingburgh (mehrere, kleine, eher weiß getünchte Häuser): A lodge at Whitefoord House, fot. Yasser Battikha, Edinburgh World Heritage

Selbe Stadt, andere Herausforderung – passive Lösungen für Edinburgher Wohnhaus

In derselben Stadt gelegen zeigt ein weiteres FuturHist-Projekt eine andere Facette des historischen Wohnungsbestands Edinburghs: ein klassisches georgianisches Mietshaus aus dem frühen 19. Jahrhundert in der New Town. Die traditionelle Sandsteinfassade und die originalen Sprossenfenster prägen bis heute das Erscheinungsbild dieses denkmalgeschützten Gebäudes.

Wie auch bei den Veteranenunterkünften spielt hier die Frage eine zentrale Rolle, wie historische Gebäude an die sich verändernden, klimatischen Bedingungen in Schottland angepasst werden können, ohne ihre architektonische Identität zu verlieren. Im Fokus stehen diesmal vor allem die historischen Holzfenster: Durch sekundäre Innenverglasungen, verbesserte Abdichtungen und innovative Lüftungsstrategien sollen Zugluft und Wärmeverluste reduziert werden. Dabei setzt das Projekt bewusst auf möglichst passive Lösungen und auf ein Zusammenspiel aus Technik, Nutzerverhalten und historischer Bausubstanz. Die beiden Edinburgher demo cases zeigen, wie unterschiedlich die energetische Sanierung historischer Wohngebäude innerhalb derselben Stadt ausfallen kann.

FuturHist auf der denkmal 2026

Erste Zwischenergebnisse zu FuturHist werden auf der denkmal vom 5. bis 7. November in Leipzig organisiert. Philipp Hesse, für ICOMOS Mitglied im Konsortium von FuturHist, organisiert den Programmpunkt. Aufmerksamen Leserinnen und Lesern des denkmalbriefs ist er bereits als der Architekt bekannt, der sich um das Halbe Schloss in Langenleuba-Niederhain engagiert. Hesse betont: FuturHist geht weit über die fünf demo cases hinaus. Gerade sitzt er an einer research- Plattform – den Knowledge HUB – die den einfachen Zugang zu technischen Zeichnungen, wissenschaftlichen Artikeln und gesetzlichen Grundlagen zu dem Projekt bündelt. Ein Wissensspeicher, der den Sanierungsprozess historischer Gebäude in Europa beschleunigen soll. Zudem wird das Projekt von Lehrprogrammen begleitet. Im Herbst steht beispielsweise eine Summer Academy am Objekt in Kraków statt. Die theoretischen Grundlagen energieeffizienten Sanierens werden dann direkt am dortigen demo case und weiteren Objekten aufgezeigt.

FutureHist: The Diocese Office in Linköping. fot. Steve Nyström
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