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Transformationen der Denkmalpflege – im Gespräch mit Alf Furkert vor der VDL-Jahrestagung in Leipzig
Vom 8. bis 10. Juni 2026 trifft sich die Vereinigung der Denkmalfachämter in den Ländern (VDL) in Leipzig zu ihrer Jahrestagung. Im Mittelpunkt stehen aktuelle Transformationsprozesse, Konflikte und Chancen für die Denkmalpflege. Alf Furkert, Sächsischer Landeskonservator und Leiter des Landesamts für Denkmalpflege in Sachsen und – last but not least – Beiratsmitglied der denkmal gibt Einblicke in die Themen der Tagung, die Ziele seines Amtes in Umbruchszeiten und die Perspektiven der Denkmalpflege.
Herr Furkert, die diesjährige Jahrestagung der Vereinigung der Denkmalfachämter in den Ländern (VDL) steht unter dem Titel „Umbrüche. Transformationen in Stadt und Land. Herausforderung für die Denkmalpflege“. Welche Umbrüche sind aktuell in der Denkmalpflege zu spüren?
Wir beschäftigen uns mit sehr unterschiedlichen Transformationsprozessen. Das reicht nicht nur 30 oder 35 Jahre zurück in die Zeit nach der deutschen Einheit und der friedlichen Revolution, sondern auch weiter – etwa in Bezug auf den Kohleabbau und großräumige Landschaftsveränderungen. Aktuell sehen wir aber auch einen Wandel im Verständnis von Denkmalpflege selbst. Nach Jahrzehnten intensiver Sanierungsarbeit entsteht bei manchen der Eindruck, vieles sei bereits geschafft. Jüngeren Generationen fehlt der unmittelbare Bezug zu dem, wie stark der bauliche Verfall früher war. Dadurch kommt gelegentlich die Frage auf: „Wozu brauchen wir überhaupt noch Denkmalpflege?“ Dabei ist ganz klar: Wir brauchen sie unbedingt! Ein erheblicher Teil der Kulturdenkmale ist weiterhin nicht saniert oder einer neuen Nutzung zugeführt. Gleichzeitig bleiben Verfall und baulicher Entwicklungsdruck bestehen – Denkmalpflege ist also keineswegs abgeschlossen, wird sie nie sein.
Jeder Umbruch bedeutet immer auch, dass sich Chancen auf Veränderungen im eigenen Sinne ergeben. Welche Ziele haben Sie sich als sächsisches Landesamt gesetzt?
Die Transformation schärft sehr deutlich den Blick für das Potenzial des baulichen Erbes. Viele Objekte, insbesondere aus dem gewerblichen Bereich, werden heute nicht mehr entsprechend genutzt. Dadurch entstehen Herausforderungen, aber auch enorme Chancen für Umnutzung. Gerade in Leipzig sehen wir das sehr gut: Ehemalige Industrieareale oder große Gewerbebauten wurden erfolgreich in Wohn-, Büro- oder Kulturstandorte transformiert. Unsere Aufgabe ist es, diese Prozesse zu begleiten. Wir dokumentieren dafür die ursprüngliche Substanz und Nutzung und beraten bei neuen Konzepten: Was ist denkmalverträglich? Wo muss man genauer hinschauen? Und wie kann man neue Nutzung ermöglichen, ohne den historischen Wert zu verlieren?
Vielleicht ein kleiner Abriss zum Programm der Tagung. Das wirkt beim Drüberlesen sehr vielfältig, es gibt sogar Programmpunkte außerhalb Leipzigs. Welche Aspekte werden abgedeckt?
Wir haben bewusst ein sehr breites Programm aufgestellt und versuchen gleichzeitig, sehr nah am Denkmal zu bleiben. Deshalb gibt es immer eine enge Verbindung zwischen Exkursionen und Workshops: Was vor Ort gesehen wird, wird im Anschluss noch einmal fachlich vertieft diskutiert. Insgesamt bieten wir zwölf Sektionen an – von innerstädtischen Entwicklungspotenzialen über Braunkohlefolgelandschaften und Wiederaufforstung bis hin zu Fragen der Energiewende oder des Notfallmanagements für Kulturgut. Auch Exkursionen nach Chemnitz spielen eine Rolle, gerade vor dem Hintergrund des industriellen Erbes und der dortigen Entwicklungen im Umfeld der Kulturhauptstadt. Ergänzend findet am Sonntag dem 07. Juni 2026 der „90. Tag für Denkmalpflege“ statt – eine öffentliche Veranstaltung mit Führungen, Vorträgen und vielen lokalen Akteuren aus Leipzig.
An welchen Höhepunkten des Programms werden Sie selbst teilnehmen?
Als ausrichtendes Landesamt sind wir natürlich durchgehend eingebunden. Ein zentraler Moment ist das Eröffnungsplenum mit mehreren Vorträgen, die bewusst auch über die klassische Denkmalpflege hinausgehen und Transformationsprozesse aus anderen Disziplinen beleuchten. Beispielsweise werden wir einen Vortrag zur „genetischen Reise der Menschheit“ von Prof. Dr. Johannes Krause vom Max-Planck-Institut Leipzig hören. Am Abend des dritten Tages werden wir auf Schloss Hubertusburg sein, dort laufen alle Exkursionen zum Empfang des Freistaats Sachsen zusammen. Darüber hinaus werde ich an verschiedenen Punkten unterwegs sein und hoffentlich viele der circa 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet begrüßen können.
Wo sehen Sie aktuell Unterstützungsbedarf in der Denkmalpflege – und von wem?
Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann wäre es mehr Verständnis für die Denkmalpflege als gemeinschaftliche Aufgabe. Es gibt sehr viele engagierte Eigentümer, Vereine und Initiativen, die sich für Baukultur einsetzen. Gleichzeitig gibt es aber auch die Wahrnehmung, Denkmalpflege sei ein Hemmnis oder erschwere Investitionen. Diese Gegensätze sind aus meiner Sicht oft überzeichnet. Denn im Grunde sind viele Menschen sehr stolz auf das bauliche Erbe – sie sehen nur nicht immer den Aufwand, der nötig war und ist, um diesen Zustand zu erreichen und zu erhalten. Genau hier braucht es mehr Dialog und gegenseitiges Verständnis.
Welchen Stellenwert hat die denkmal für Sie in diesem Zusammenhang?
Die denkmal ist für uns eine ganz zentrale Veranstaltung – ein Branchentreff im besten Sinne. Sie bringt Fachwelt, Handwerk, Verwaltung, Planer und interessiertes Publikum zusammen. Diese Mischung macht sie besonders wertvoll. Sie ist nicht nur Fachmesse, sondern auch ein Ort der Öffentlichkeit und des Austauschs. Immer wieder wird sie als Familientreffen bezeichnet. Ich kann das aus meiner Sicht nur bestätigen. Für die Denkmalpflege insgesamt ist sie deshalb alle zwei Jahre ein wichtiger Fixpunkt.