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27.05.2026 denkmal

Vom Messpunkt zur Datenwolke – Vermessung wird digitaler denn je

Seit über fünf Jahrzehnten entwickelt sich die Linsinger ZT GmbH Vermessung stetig weiter – vom kleinen Landvermessungsbüro hin zu einem führenden Spezialisten für Kulturgutvermessung. Im Gespräch erklärt Helmut Hörmannseder, wie tiefgreifend sich Technik, Arbeitsweise und Projekte verändert haben.

Herr Hörmannseder, wie hat sich Ihr Unternehmen in den letzten 50 Jahren entwickelt?

Bemerkenswert ist vor allem, dass die Kulturgutvermessung am Anfang – also um 1990 – nur ein kleiner Nebenerwerb neben dem Geschäft mit der Landvermessung war. Heute hat sich das gedreht, unsere Expertise zum Kulturgut ist das, wofür wir weithin bekannt sind. Dabei sind wir immer am Zahn der Zeit geblieben und haben uns technologisch konsequent weiterentwickelt.

Warum hat sich die Kulturgutvermessung stärker entwickelt als die klassische Landvermessung?

Das hat sich nicht strategisch so ergeben, sondern ist gewachsen. Wir haben im Laufe der Jahre schlicht viel von sehr erfahrenen Fachleuten aus der Bauforschung gelernt. Auch persönliche Interessen haben eine Rolle gespielt – etwa durch unseren heutigen Geschäftsführer Stefan Linsinger, der Architektur mit Schwerpunkt Denkmalschutz und Denkmalpflege studiert hat. So hat sich dieser Bereich in der Firma einfach verstärkt.

Welche Rolle spielt Technik heute im Vergleich zu früher?

Früher haben wir mit großen Messkameras gearbeitet und direkt vor Ort punktuell gemessen. Der Großteil der Arbeit fand draußen statt. Heute passiert der größte Teil der Arbeit im Büro – mit digitalen Daten, Auswertungen und Modellierungen. Heute arbeiten wir zudem mit Drohnen und Laserscanning. Die klassische Punktmessung ist weitgehend durch großflächige digitale Erfassung ersetzt worden. Aus vielen Einzelpunkten wird eine komplette Datenwelt. Und auch die Datenmengen sind stark gewachsen. Wir sprechen inzwischen von insgesamt etwa 3,5 bis 4 Petabyte Speicherbedarf – das sind dann über 4.000 Terabyte oder eben mehr als 4 Millionen Gigabyte. Das zeigt, wie komplex und umfangreich moderne Vermessung geworden ist.

Wie hat sich dadurch Ihre Arbeit auf der Messe „denkmal“ verändert?

Unser Messeauftritt hat sich mitentwickelt. Wir sind nach wie vor auf hochwertige Bestands- und Kulturgutvermessung spezialisiert und hatten das Glück, viele bedeutende Denkmäler dokumentieren zu dürfen. Früher haben wir vor allem Zeichnungen gezeigt. Heute präsentieren wir viel digital – also Videos, 3D-Modelle und virtuelle Darstellungen. Der persönliche Austausch bleibt aber entscheidend: Auf der Messe treffen wir sehr viele Fachleute, führen gute Gespräche und bekommen ein Gefühl dafür, was am Markt passiert.

Basilika Ottobeuren (Copyright: Linsinger ZT GmbH Vermessung)

Gibt es ein Projekt, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Ein sehr prägendes Projekt war die Residenz in München, gemeinsam mit der Basilika Ottobeuren. An der Residenz haben wir über sieben Jahre gearbeitet – immer wieder phasenweise vor Ort.

Warum denn sieben Jahre lang?

Die Herausforderung war, dass es kaum Grundlagen gab. Unser Auftrag war es, überhaupt erst diese Basis zu schaffen – für Restauratoren, Architekten, Steinmetze und Statiker. Dafür mussten unzählig viele Schnitte und insgesamt 16 Grundrissebenen erstellt werden. Die Größe des Bauwerks hat das Projekt zudem sehr komplex gemacht – immerhin ist die Residenz das größte Stadtschloss Deutschlands. Auch wenn es grundsätzlich abgeschlossen ist, kommen immer wieder Nachvermessungen dazu, etwa nach Umbauten.

Welche weiteren bekannten Projekte haben Sie begleitet?

Zu unseren Projekten zählen unter anderem Schloss Neuschwanstein und das Nordportal des Kölner Doms. Wir arbeiten vor allem im DACH-Raum, sind aber immer wieder auch international tätig – in Baku in Aserbaidschan waren wir beispielsweise an den historischen Festungsmauern tätig oder haben die Buxara Karvansarayi und Gasimbey Hamam vermessen. Wir waren auch schon in China und haben dort den Shuilu-Tempel vermessen. Vor allem die filigranen Tonfiguren wurden mit einem Nahbereichsscanner mit einer Auflösung von einem hundertstel Millimeter aufgenommen. In Bolivien haben wir sogar eine paläontologische Fundstätte dokumentiert: die weltberühmten Dinosaurierspuren an der ca. 1,5 km langen Felswand Cal Orcko bei Sucre, der größten Sammlung prähistorischer Fußabdrücke weltweit.

Welche Bedeutung hat der Messeauftritt in wirtschaftlich schwierigen Zeiten?

Gerade dann ist er besonders wichtig. Wir nutzen die Messe, um neue Kontakte zu knüpfen, aber auch bestehende zu pflegen. Oft entstehen neue Projekte genau aus diesen alten Beziehungen heraus. Insgesamt hat der Messeauftritt für uns einen hohen Stellenwert – fachlich wie wirtschaftlich.

3D Modell Uni Marburg (Copyright: Linsinger ZT GmbH Vermessung)
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