Klimaschutz ist mehr als Wärmedämmung - Denkmalbesitzer brauchen praxisnahe Unterstützung

Beschreibung

Sind der behördlichen Denkmalpflege bei der Umsetzung ihrer Bemühungen zu Erhalt, verträglicher Umnutzung und nachhaltiger Sanierung in der Praxis bislang schon Grenzen gesetzt (mangelnde Personalkapazität, unzureichende Qualifikationen bei den Denkmalbehörden, zu geringe Fördergeld-Etats), so werden künftig die drängenden Forderungen des Klimaschutzes das Problem weiter verschärfen.

Die bisherige Strategie, für Baudenkmale lediglich Dispens von den Anforderungen der Energieeinspargesetze zu erstreiten, kann auf Dauer nicht aufrechterhalten werden:

auch historische Gebäude müssen einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Das tun sie natürlich schon allein dadurch, dass die in ihnen verbaute „Graue Energie“ bei langjährigem Erhalt auch weiterhin effektiv genutzt werden kann. Es ist deshalb höchste Zeit, die bisher geltende Berechnungspraxis, die lediglich den künftigen Betriebsenergiebedarf eines Gebäudes berücksichtigt, zu verändern.

Aber unabhängig davon ist es ein Gebot der Stunde, sich auch bei Baudenkmalen nicht allein auf die Graue Energie zu berufen, sondern intelligente Maßnahmen zur Energieeinsparung, CO2-Reduzierung und Ressourcenschonung zu ergreifen. Unabhängig von zu erwartenden staatlichen Anforderungen wird das bei steigenden Energiepreisen auch im ureigensten Interesse der Hauseigentümer und –nutzer liegen!

Aber was sind denn „intelligente Maßnahmen“? Diese dürfen sich nicht wie bisher auf periodisch steigende Anforderungen an die rein rechnerisch ermittelten U-Werte der einzelnen Bauteile und innovative Haustechnik beschränken. Hier müssen dringend auch andere Faktoren wie die besonderen Gegebenheiten des jeweiligen Gebäudes, die Art der Wärmeübertragung, passive Solarenergienutzung, thermische Zonierung , dezentrale Energieerzeugung usw. stärker in den Focus genommen werden.

Dazu gibt es viele gute und teilweise schon langjährig erprobte Ideen und Prinzipien, die aber in der bisherigen Vorschriften- und Förderpraxis komplett durchs Raster fielen.

Und noch ein wichtiger Aspekt:

Im Gegensatz zu anderen öffentlichen Belangen wie Feuer- und Katastrophenschutz, Gesundheitswesen, Naturschutz etc. ist ehrenamtliches Engagement in der Denkmalpflege nur sehr spärlich vorhanden – und wenn, dann meist bezogen auf national bedeutsame Objekte, Kirchen und Feudalarchitektur. Die weit verbreiteten Heimatvereine bemühen sich zwar oft, diese Lücke zu schließen, verfügen aber eher selten über entsprechendes Fachwissen.

Das Fehlen dieses in vielen gesellschaftlichen Bereichen unverzichtbaren Elementes führt meist dazu, dass sich der betroffene Denkmaleigentümer allein gelassen fühlt und oft nicht weiß, wo er sich unabhängig und zuverlässig Rat holen kann.

Auch die Empfehlung oder gar Anordnung der Behörde, einen speziell versierten Planer zu Rate zu ziehen, hilft in vielen Regionen mangels Masse nicht weiter. Ähnlich sieht es bei den heimischen Handwerksbetrieben aus, bei denen zudem die Gefahr besteht, dass sie nicht über den Tellerrand ihres Gewerkes hinausschauen.

Die IG Bauernhaus ist eine der wenigen Organisationen bundesweit, die auf diesem Gebiet einschlägige Erfahrungen vorweisen kann und ehrenamtlich Unterstützung anbietet – wobei sie natürlich nicht den Anspruch erheben kann, dass jede regionale Kontaktstellen mit einem ausgewiesenen Baufachmann besetzt ist.

Der Referent engagiert sich als Bauingenieur mit Schwerpunkt Altbausanierung und Baudenkmalpflege seit über 30 Jahren ehrenamtlich in inzwischen mehreren Funktionen und war maßgeblich am Aufbau einer Beratungsstelle für Ländliche Baukultur und eines entsprechenden Netzwerkes im Schaumburger Land beteiligt. Aktuell ist er mit dem Aufbau des „Baukulturdienstes Weser – Leine“ befasst und Mitautor einer Ratgeberbroschüre für Althausbesitzer.

Referent:

Manfred Röver
Interessengemeinschaft Bauernhaus e. V.

Aussteller