06.10.2026 denkmal

Grönlands Erbe, Herrnhuts Vermächtnis – erstmals auf der denkmal in Leipzig

Grönland auf der Leipziger Messe! Erstmals wird das kulturelle Erbe der größten Insel der Erde eine zentrale Rolle auf der denkmal spielen. Dabei bestehen Verbindungen zu Sachsen. Denn ein beträchtlicher Teil des heutigen, kulturellen Erbes in Grönland stammt von der Herrnhuter Brüdergemeinde.

Fast 300 Jahre ist es her, dass Herrnhuter Missionare erstmals in Grönland auftauchten. Die heute internationale Kirche war ursprünglich aus der böhmischen Reformation hervorgegangen. Im 18. Jahrhundert ließen sich ihre Vertreter in der sächsischen Oberlausitz nieder. Sie waren für eine aktive Missionsarbeit bekannt. In Grönland haben diese Bestrebungen noch heute sichtbare Spuren hinterlassen. Inge Bisgaard, Museumskuratorin des Grönländischen Nationalmuseums und -archivs in Nuuk, erzählt: „Stand heute sind 160 Gebäude in Grönland als denkmalgeschützt gelistet. Ungefähr 20 davon sind auf das Erbe der Herrnhuter zurückzuführen. Sie verteilen sich auf 14 verschiedene Standorte auf der Insel, insbesondere an der Westküste Grönlands.“ Und tatsächlich, auf Bildern erkennt man das typische Fachwerk, das der Welt aus Herrnhut bekannt ist, inmitten der zerklüfteten Landschaft Grönlands.

Was ist Bisgaard besonders wichtig am Messeauftritt in Leipzig? Zu zeigen, dass die Grönländerinnen und Grönländer ganze 4.500 Jahre dieses Land besiedelt haben, aber erst seit 350 Jahren in europäisch geprägten Häusern leben, beginnt sie ihre Antwort. Ewig musste nichts trotz einer kargen, ressourcenarmen Landschaft importiert werden. Bisgaard fährt fort: „Wir haben ein Talent dafür, kreative Lösungen beim Hausbau zu finden. Mit genau dieser Kreativität haben wir europäische Häuser transformiert und für die grönländischen Bedingungen und unsere Bedürfnisse wie das Jagen oder das Speichern von Wärme in den Häusern angepasst.“

Zwischen Herrnhut, Nuuk und Leipzig: materielles und immaterielles Erbe im Dialog

Dr. Uwe Koch hat wesentlichen Anteil an einem Messeauftritt, der das grönländische, kulturelle Erbe im Allgemeinen und das Herrnhuter Vermächtnis im Besonderen zusammenbringt. Dr. Koch ist Präsident von Europa Nostra Deutschland, der zivilgesellschaftlichen Organisation, die sich für den Schutz des kulturellen Erbes Europas einsetzt. Gemeinsam mit Europa Nostra Dänemark hat er beharrlich auf die denkmal in Leipzig hingearbeitet: „Mit der denkmal möchten wir den Austausch zwischen Herrnhut und Grönland intensivieren und verstetigen. Direkt nach der denkmal werden wir mit Inge Bisgaard weiter in die Oberlausitz fahren und vor Ort die Herrnhuter Brüdergemeinde besuchen.“

Neben dem Einfluss der Herrnhuter ist es auch der von dänischen und norwegischen Siedlern, der eine große Rolle auf der denkmal spielen wird. Und selbstverständlich werden es die über Jahrtausende bewahrten Techniken der Grönländerinnen und Grönländer sein, denen besondere Aufmerksamkeit zuteilwerden wird. Dass beispielsweise eine Konservierung von ganzen Wandbildern mittels Wal- und Seerobbenöl erfolgt, sollte eine eher unbekannte Technik auf dem europäischen Kontinent sein. Die Handhabung dieser Technik wird im Rahmen des Europäischen Mosaiks der Praktiker in der Denkmalpflege – European Mosaic of Heritage Practicioners“ präsentiert, ein Projekt, das gemeinsam mit den European Heritage Volunteers realisiert wird.

Die Verbindung zwischen Herrnhut und Grönland ist dabei nicht nur materieller Natur. In zahlreichen, grönländischen Liedern zeigt es sich noch heute. Auch dieses immaterielle Kulturerbe der Herrnhuter in Grönland wird auf der denkmal akustisch vermittelt werden.

Grönlands Restaurierungsnachwuchs sucht Austausch in Leipzig

Neben der Präsentation des grönländischen Kulturerbes und der Knüpfung dauerhafter Verbindungen zu Herrnhut verfolgt Bisgaard noch ein weiteres Ziel: Sie wird von einigen Handwerkerinnen und Handwerkern aus Grönland begleitet, die großes Interesse daran haben, sich in den Techniken der Restaurierung und Denkmalpflege fortzubilden.

Ansprechpartner

Mark Gärtner
Pressesprecher
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