Womöglich größte Herausforderung ihrer Geschichte bringt Archäologie zur denkmal
Die Archäologie wird erstmals mit einem eigenen Ausstellungsbereich auf der denkmal vertreten sein! Warum das eine besondere Premiere ist? Bodendenkmalpflege – oder eben Archäologie – und Baudenkmalpflege sind damit erstmals prominent auf der denkmal vertreten. Anlass für die Premiere sind insbesondere die umfangreichen Infrastrukturvorhaben im Zuge der Energiewende.
Bereits über 25 Unternehmen, Verbände und Wissenschaftseinrichtungen haben sich bereits für den Ausstellungsbereich Archäologie angemeldet. Erstmals wird die Bodendenkmalpflege prominent auf der denkmal – der Europäischen Leitmesse für Denkmalpflege, Restaurierung und Altbausanierung vertreten sein. denkmal-Projektdirektor Constantin Strobel berichtet: „ Wir sind überwältigt, über den sehr großen Zuspruch zu unserem neuen Ausstellungsbereich. Das zeigt, wie sehr die Relevanz für das Thema Archäologie gestiegen ist. Wir danken an dieser Stelle ausdrücklich auch CIfA und allen partizipierenden Akteuren, ohne die dieses Vorhaben so nicht umsetzbar gewesen wäre.“
Stromtrassen bringen zahlreiche neue Funde zutage
Die Relevanz ergibt sich aus den Energietrassen, die alsbald vom windreichen Norden der Bundesrepublik in den industriestarken Süden führen sollen. In der Summe umfassen die geplanten unterirdisch verlaufenden Energienetze, Strom-, Wasserstoff- und künftige CO₂-Leitungen, eine Größenordnung von bis zu 20.000 Kilometern. Die damit verbundenen Eingriffe in den Boden können archäologische Fundstellen berühren, die vor Beginn oder während der Bauarbeiten untersucht, dokumentiert und gegebenenfalls gesichert werden müssen. Bis 2048 soll dieses Projekt fertiggestellt sein.
Svenja Partheil ist Präsidentin von CIfA Deutschland, dem Berufsverband für die Archäologie. Sie blickt auf die kommenden Jahre und sagt: „Das ist die größte Herausforderung in der Geschichte der Archäologie.“ Je länger und dichter eine Region in der Vergangenheit besiedelt war, desto höher sei die Wahrscheinlichkeit, beim Bau auf Bodendenkmäler zu treffen. Sobald die Trassen durch diese Gebiete führen, werde der Aufwand deutlich steigen und die Zahl der Grabungsstellen zunehmen, meint Partheil. Ihr Verband will daher den Bedeutungszuwachs der Archäologie sichtbar machen. Sie sagt: „Archäologinnen und Archäologen arbeiten nicht mehr nur an Universitäten oder bei der öffentlichen Hand, sondern werden inzwischen dringend von der Privatwirtschaft gesucht. Dafür braucht es Fachkräfte!“
Sorge bereitet Partheil die derzeitigen Novellierungen von Denkmalschutzgesetzen: „Das schwächt die schnelle und umfassende Sicherung von Bodendenkmälern und ihre Zerstörung wird riskiert.“
Vorfreude auf bedeutsame denkmal - Momente
Die denkmal 2026 verspricht Spannung. Strobel nennt ein paar Beispiele, welche Momente er erwartet: „Da wird Nachwuchs kommen, der sich für die Archäologie und das Vorhaben rund um die Stromtrassen begeistert, die Boden- und die Baudenkmalpflege werden zusammentreffen und wir werden beobachten, wie sich Wissen und Erfahrung aus unterschiedlichen Bereichen zusammenschließen, um ein zentrales Vorhaben der Energiewende zu meistern. Wir freuen uns sehr. Nicht zuletzt, weil wir hier einen ganz entscheidenden Beitrag für ein enorm wichtiges Projekt leisten.“